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HR – hauptsache Kultur – Fotografien zeigen multikulturelles Frankfurt

Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/fotografien-zeigen-multikulturelles-frankfurt,ausstellung-divercity-100.html?fbclid=IwAR3yIMlqHCveh2iuRBoGfJI4ow3oFzWpgiRuKpvV64QFnpQ1ZHewiyz7mAQ

Ausstellung im Haus am Dom

Fotografien zeigen multikulturelles Frankfurt

Foto von Rafael Herlich
Kinder der Sikh-Gemeinde in Frankfurt. Bild © Rafael Herlich

Pöbeleien, Angriffe, Hetze: Viele Juden fühlen sich in Deutschland nicht mehr sicher. Der Fotograf Rafael Herlich bekämpft antisemitische Vorurteile auf seine Weise: mit Fotos, die zeigen, wie friedliches Zusammenleben in Frankfurt funktionieren kann.

Ein jüdischer Junge wird von Mitschülern gefragt, warum er noch nicht vergast worden ist. Ein Jugendlicher zeigt vor einer jüdischen Mitschülerin den Hitlergruß. Alle lachen. Wieder ein Junge wird drangsaliert, nachdem ihn sein Vater zur Schule brachte – und dabei eine Kippa trug.

Wenn Rafael Herlich solche Geschichten hört, dann graut es ihm: “So etwas berührt mich besonders”, erzählt der jüdische Fotograf, “weil ich aus der eigenen Familie weiß, was schon einmal mit Juden passiert ist”.

 

Weitere Informationen

Buch und Ausstellung

“DiverCity – Vielfalt der Kulturen und Religionen in unserer Stadt”, rund 200 Seiten, mit Texten in Deutsch und Englisch, ist im “Chai 18”-Verlag erschienen und kostet 29,90 Euro. Die zugehörige Wanderausstellung ist vom 7. bis zum 25. November im Frankfurter Haus am Dom (Domplatz 3) zu sehen – danach in sechs verschiedenen Frankfurter Gemeinden unterschiedlicher Religion.

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Halbe Familie verloren

Die Nationalsozialisten töteten Herlichs halbe Familie: den Halbbruder, die Großeltern, Tante, Onkel – nur weil sie Juden waren. Deswegen kämpft der 64-Jährige gegen Antisemitismus, und das auf seine Weise: Er fotografiert das jüdische Leben in Deutschland, nimmt die Fotos, geht in Schulen und erzählt von seiner Familie.

Rafael Herlich - DiverCity
Christen, Muslime und Juden des Vereins “StreetAngel” verteilen in Frankfurt Weihnachtsgeschenke an Obdachlose. Bild © Rafael Herlich

Inzwischen hat er auch mehrere Bildbände herausgebracht, die das jüdische Leben in Deutschland dokumentieren. Fotos seines neusten Buchs “DiverCity” sind bis zum 25. November im Frankfurter Haus am Dom zu sehen.

Zusammenleben in Frankfurt funktioniert

Sie zeigen das friedliche Miteinander verschiedener Religionen in Frankfurt: Da sind die jüdischen, muslimischen und christlichen Fußballer, die im Turn- und Sportverein “Makkabi” zusammen spielen und Freunde geworden sind. Da sind die Juden, Muslime und Christen des Vereins “StreetAngel”, die in Frankfurt Obdachlosen helfen. Oder da sind die muslimischen Frauen, die am Holocaust-Mahnmal an der Paulskirche Blumen niederlegen.

“Ich will zeigen, wie viele tolle Leute es in Frankfurt gibt”, sagt Herlich. “Immer nur über das Schlimme, über Terror zu sprechen, das ist nicht gesund.” Und so waren seine Bilder nicht nur in Schulen, sondern auch in mehreren Landtagen und religiösen Gemeinden zu sehen. Darüber hätten viele Menschen zum ersten Mal Kontakt zum Judentum gehabt, erzählt Herlich. Die Reaktionen seien durchweg positiv, sagt er: “Das gibt mir Kraft, um weiterzumachen.”

Rafael Herlich - DiverCity
Die Sikh-Gemeinde in Frankfurt. Bild © Rafael Herlich

Rafael Herlich …

… wurde 1954 in Tel Aviv geboren. 1975 kam er nach Frankfurt, um seinen Vater zu treffen. Dieser hatte Israel nach Herlichs Geburt verlassen und war nach Deutschland zurückgegangen – ausgerechnet: “Er war ein Holocaust-Überlebender, der sein persönliches Trauma immer mit sich getragen und seinen Platz in der Welt nie so ganz gefunden hat”, sagt Herlich. Der Sohn beschloss, beim Vater zu bleiben: “Ich hatte ihn 18 Jahre lang vermisst.”

Herlich wurde Fotograf. Dass er das jüdische Leben in Deutschland begleitete, sei ganz automatisch gekommen, sagt er: Er war für die jüdische Gemeinde Frankfurt unterwegs und fotografierte wichtige Veranstaltungen wie die Eröffnung der Münchner Synagoge 2006 oder den historischen Papstbesuch der Kölner Synagoge 2005.

Sendung: hauptsache kultur, 08.11.2018, 22.45 Uhr