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Glaubenskonflikte nicht am Runden Tisch lösbar – 30 Räte der Religionen treffen sich

Quelle: http://edition.faz.net/faz-edition/rhein-main-zeitung/2018-09-18/8f1f37cb060524b3bdad2374d3a03b25/?GEPC=s9 (Zugriff am 18.09.2018)

Glaubenskonflikte nicht am Runden Tisch lösbar

30 Räte der Religionen treffen sich zum ersten Bundeskongress im Dominikanerkloster

Miteinander reden, ohne dass es kracht: Das ist die Devise von Joachim Valentin, dem Vorsitzenden des Rates der Religionen Frankfurt.

© Helmut Fricke
Miteinander reden, ohne dass es kracht: Das ist die Devise von Joachim Valentin, dem Vorsitzenden des Rates der Religionen Frankfurt.

 

Die Regeln sind klar. Und sie sind streng. Nur wer Respekt vor den Mitgliedern anderer Religionen hat und ehrliches Interesse am Austausch mit Vertretern anderer Glaubensrichtungen zeigt, der darf sich dem Rat der Religionen anschließen. Mehr als 30 dieser Räte und Arbeitsgruppen haben sich in den vergangenen Jahren in Deutschland gegründet. Zum ersten Mal kamen in den vergangenen zwei Tagen deren Vertreter zu einem Bundeskongress im Frankfurter Dominikanerkloster zusammen.

„Wir wollen, dass die Menschen verschiedener Religionen miteinander reden, ohne dass es kracht“, sagt Joachim Valentin. Er ist Vorsitzender des Rates der Religionen Frankfurt, dem seit seiner Gründung 2009 neun Religionsgemeinschaften angehören. Glaubenskonflikte seien zwar nicht am Runden Tisch zu lösen, fügte sein Stellvertreter, Karsten Schmidt, an. Aber man könne dafür sorgen, dass unterschiedliche Parteien sich überhaupt begegnen und eine andere Überzeugung akzeptieren lernen, ohne die eigene in Frage zu stellen. Beim Bundeskongress wurde deutlich, dass die Räte aus den unterschiedlichen Teilen des Landes verschiedene Strukturen aufweisen. Bei manchen habe die Kommunalpolitik die Gründung eines solchen Gremiums vorangetrieben. Nicht immer sei das eine gute Voraussetzung, so Wolfgang Reinbold, Leiter des Hauses der Religionen in Hannover. „Manche Gruppe existiert nur auf dem Papier.“ Sie zu einer Zusammenarbeit zu motivieren sei eines der Ziele des Kongresses gewesen.

In den verschiedenen Arbeitsgruppen wurde in den vergangenen Tagen viel diskutiert. Etwa darüber, wie mit Religionsvertretern umzugehen ist, deren Gemeinde vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Ausschließen oder integrieren? Pfarrerin Sandra Scholz von der Arbeitsgemeinschaft der Religionen Dietzenbach sprach sich für eine Fortsetzung des Dialogs aus. Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft hätten sich im Vorfeld in einer Grundsatzerklärung verpflichtet, „auf dem Boden der Verfassung zu stehen“, die Menschenrechte zu achten und Diskriminierung keinen Raum zu geben. Solange diese Grundsätze eingehalten würden, dürfe der Dialog nicht verstummen. „Erst ein Vertrauensverhältnis macht es möglich, dass wir mit allen Religionsvertretern im Gespräch bleiben.“ Das nächste Treffen soll 2019 in Hannover stattfinden. mali.