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“Bedienungsanleitung fürs Miteinander”

Quelle: https://juedische-allgemeine.de/article/view/id/33308

Frankfurt

Bedienungsanleitung fürs Miteinander

Der Fotograf Rafael Herlich zeigt in seiner Ausstellung das Zusammenleben verschiedener Religionen in der Mainmetropole

Der Dialog ist das, was uns zusammenhält«, sagte der Frankfurter Gemeinderabbiner Avichai Apel gleich zu Beginn der Ausstellungseröffnung des Fotografen Rafael Herlich im Haus am Dom in seinem Grußwort – und brachte damit die Idee des Buches auf den Punkt.

DiverCity FFM heißt Herlichs jüngst erschienener sechster Bildband, aus dem die gezeigten Fotografien stammen. Der Band möchte die Vielfalt der Kulturen und Religionen in Frankfurt demonstrieren. In der anderthalbjährigen Entstehungszeit hatte Herlich Zugang zu etlichen Tempeln, Synagogen, Kirchen und Moscheen der Mainmetropole.

Unterstützt wurde das Fotoprojekt vom Haus am Dom und dem Frankfurter Rat der Religionen, dem auch die Jüdische Gemeinde angehört. Die Ausstellung soll in unterschiedlichen religiösen Gemeinden gezeigt werden, womöglich auch in Frankfurts Partnerstädten.

»Frankfurt ist die Stadt, in der die Vielfalt nicht nur erduldet und toleriert, sondern froh und bereichernd gelebt wird«, betonte Joachim Valentin, Direktor der im Haus am Dom ansässigen Katholischen Akademie, in seinem Grußwort. Mit hypnotisierenden Instrumentalklängen und religiösen Gesängen begleiteten Mitglieder der Sikh-Gemeinde die Ausstellungseröffnung.

Uwe Becker, Bürgermeister und Kirchendezernent der Stadt Frankfurt, zollte Herlich Achtung und Anerkennung. »Wenn aus Arbeit Kunst wird und aus Kunst Wunder werden, dann ist Rafael Herlich an der Kamera«, sagte der Frankfurter CDU-Politiker.

Herlichs jüngster Bildband könne »eine Bedienungsanleitung für das Miteinander« sein. Becker kündigte zudem an, dass eine Straßenbahn der örtlichen Verkehrsgesellschaft VGF mit Fotografien aus DiverCity FFM beklebt werden soll.

Der Frankfurter Fotograf selbst gab einen Einblick in die Entstehung des Projekts. Seine Motivation fasst er prägnant zusammen: »Respekt für Menschen, Respekt für Religionen«.
Herlich betonte die Bedeutung des interreligiösen Dialogs. »Wenn wir miteinander sprechen, werden wir uns nicht fremd bleiben«, ist der Fotograf überzeugt.

Tatsächlich bot die Ausstellungseröffnung Gelegenheit zu ungezwungenen Gesprächen. Freunde und Weggefährten des Fotografen waren ebenso ins Haus am Dom gekommen wie Vertreter diverser Glaubensrichtungen.

Rafael Herlichs Fotografien ermöglichen seltene Einblicke in das religiöse Leben Frankfurts. So sieht man beispielsweise Männer beim Freitagsgebet in einer Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde im Stadtteil Sachsenhausen.

Den muslimischen Gebetsraum am Frankfurter Flughafen hat Rafael Herlich in seinem Bildband ebenfalls abgelichtet.
Frauen in bunten Gewändern bestimmen die Szenerie, die Rafael Herlich in einer Gebetsstätte der Sikh-Gemeinde im Stadtteil Unterliederbach einfing. Die Fotografien werden von Informationstafeln zu den verschiedenen Glaubensgemeinschaften ergänzt.

Auch jüdisches Leben ist Teil der Frankfurter Vielfalt. Herlich zeigt beispielsweise eine Barmizwa-Feier in der Westend-Synagoge. Bewegend ist die Nahaufnahme frisch verlegter Stolpersteine für eine in der Schoa ermordete Frankfurter Familie. Herlich zeigt, wie Angehörige ihre Hände auf die von Blumen gesäumten Stolpersteine legen.

»DiverCity FFM«, bis 25. November 2018, Haus am Dom, Domplatz 3