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Stellungnahme Antisemitismus & Konflikt im “Nahen Osten”

Frieden ist mehr als die Abwesenheit gewaltsamer Konflikte

Stellungnahme des Rates der Religionen Frankfurt zum Umgang mit Antisemitismus und dem Konflikt im „Nahen Osten“

Frankfurt/Main, den 21.05.2021. Als Zusammenschluss von neun Frankfurter Religionsfamilien rufen wir dazu auf, den Nahostkonflikt nicht auf Frankfurts Straßen oder in den sozialen Medien auszutragen, sondern in Achtung der Grundsätze aller Religionen: Respekt, Liebe, Gerechtigkeit aber auch der Menschenrechte und des Grundgesetzes hier vor Ort friedensfördernd zu handeln.

Wir verurteilen die wiederholten Angriffe auf Synagogen und das Verbrennen von Israel-Flaggen in vielen deutschen Städten und die antisemitischen Bedrohungen von Jüdinnen und Juden sowie jüdischen Institutionen, die auch die jüdische Gemeinde in Frankfurt belasten. Kein Ereignis darf als Vorwand dienen, offenen Judenhass zu propagieren.

In unserer Satzung verpflichten wir uns zu Gewaltfreiheit, Respekt und Meinungsfreiheit, aber unsere Erfahrung ist, dass Frieden mehr ist als die Abwesenheit gewaltsamer Konflikte und dass das Pochen auf Meinungsfreiheit immer auch andere verletzen und ängstigen kann. Wahrer Frieden im Sinne unserer Heiligen Schriften erfordert mehr: Eine Haltung der grundlegenden Offenheit, des Zuhörens und der Empathie, ja der Zuwendung und Anerkennung des anderen.

Wir distanzieren uns ebenfalls von Versuchen, Antisemitismus pauschal Menschen mit Migrationsgeschichte zuzuschreiben. Das Problem von Antisemitismus, in seiner Komplexität, wird dadurch nicht gelöst. Wir plädieren dafür, das Problem von Antisemitismus in seiner Vielschichtigkeit nicht länger zu ignorieren und gemeinsam mit allen Religionsgemeinschaften, Vertretern von Politik und Zivilgesellschaft entschieden anzugehen.

Wir wissen: Menschen, die nicht trennen, sondern verbinden, die nicht zerstören, sondern aufbauen möchten, gibt es zahlreich in allen Religionen und darüber hinaus. Ein Beispiel dafür ist der am 20. Mai von jüdischen und muslimischen Initiativen veröffentlichte offene Brief „Wir lassen uns nicht trennen“ ( https://www.wirlassenunsnichttrennen.de/ ).

Unsere feste Überzeugung ist es, dass Lernen, wechselseitiges Kennenlernen und echte Verständigung der einzige Weg zu einem stabilen Frieden sind. Alle diejenigen, die Brücken bauen möchten, ermutigen wir, ihrem Herz zu folgen und sich in ihrem Umfeld gegen Antisemitismus und Rassismus sowie für ein respektvolles Miteinander einzusetzen.

Wir wollen in unserer Stadt mit denen lauter werden, die für das Gemeinsame einstehen.