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Rat der Religionen beschäftigt sich mit Al-Quds und Türkyilmaz (12.2.10)

FR 12.2.10
In Sorge
Rat der Religionen beschäftigt sich mit Al-Quds und Türkyilmaz
Von Canan Topçu und Susanne Schmidt-Lüer

Die Auseinandersetzung um den Imam der Hazrat-Fatima-Gemeinde ist ein Thema für den Frankfurter Rat der Religionen, sagt Micha Brumlik. Der Frankfurter Professor für Erziehungswissenschaften zählt zu den Erstunterzeichnern eines Aufrufs gegen den Al-Quds-Tag am 21. Oktober 2006 in Berlin: „Aufruf gegen Islamismus, Judenhass und Vernichtungsdrohungen gegen Israel. Für Demokratie und Menschenrechte im Iran“ ist dieser überschrieben. An umstrittenen Al-Quds-Demonstrationen hat Sebahattin Türkyilmaz teilgenommen. Wer genau die Veranstalter seien, habe er nicht gewusst, erklärte der Imam im Gespräch mit der FR. Ausschlaggebend für seine Teilnahme sei der Anlass gewesen, nämlich gegen die Besetzung palästinensischer Gebiete durch Israel zu demonstrieren.

Ob man auf Al-Quds-Demonstrationen auftreten sollte, bezeichnet Brumlik als Thema für den Rat der Religionen. Er selbst ist der Meinung, dass man es nicht sollte. Brumlik will dabei „nicht in Abrede stellen“, dass es kritikwürdig ist, „wie der israelische Staat Ostjerusalem annektierte und auch jetzt noch dort siedelt“. Es sei die Frage, ob die Teilnahme an der Al-Quds-Demonstration als antisemitisch zu bewerten ist. Man wisse, welche Gruppen zu einer Demonstration aufrufen. Die Haltung des integrationspolitischen Sprechers der CDU, Thomas Kirchner, ein Antisemit solle nicht bei der Grundsteinlegung für eine Moschee dabei sein, hält Brumlik für richtig. Er rät, die Gelegenheit beim Schopfe zu nehmen, um über das Thema der politischen Hisbollah und der Hamas in Deutschland und auch in Frankfurt zu sprechen“. Der Vorstand des Rats der Religionen, einem Gremium aus Vertretern von neun Religionsgemeinschaften, kam Donnerstagabend zu einer Sondersitzung zusammen, um sich mit den Anschuldigungen gegen Imam Türkyilmaz und Ünal Kaymakçi als Generalsekretär der Hazrat-Fatima-Gemeinde zu befassen. Kaymakçi ist stellvertretender Vorsitzender des Gremiums. Im Vorfeld gab der Vorsitzende, Athenagoras Ziliskopolous, eine persönliche Erklärung ab: „Ich bin besorgt ob der Vorwürfe und bedauere, dass die Gemeinde in Verruf gerät. Bisher war die Hazrat-Fatima-Gemeinde sehr transparent.“

„Tod, Tod Israel“

Zu der Kritik von Kaymakçi, dass in dem am Sonntag gesendeten HR-Beitrag Bilder von zwei unterschiedlichen Demonstrationen gezeigt und damit gezielt falsche Aussagen transportiert würden, sagt HR-Pressesprecher Tobias Häuser: „In den Beitrag hat sich ein Fehler eingeschlichen. Dies ist ärgerlich, ändert aber nichts an dem Inhalt des Beitrags.“ Dieser zeichne sich nicht durch Polemik, sondern durch gute Recherche aus. Von Hetze und Schmutzkampagne könne nicht die Rede sein.

Die defacto-Redaktion erklärt auf FR-Anfrage: „Bei der einen gezeigten Demonstration vom 12. August 2006 handelt es sich nicht um die jährliche Al-Quds-Demonstration zur ,Solidarität mit der leidenden Bevölkerung in Palästina‘, sondern um eine Demonstration gegen den Einmarsch Israels im Südlibanon. Diese Demonstration ist von uns versehentlich als eine Al-Quds- Demonstration bezeichnet worden.“ Auf diesen Bildern sei Türkyilmaz mit weiteren Demonstrationsteilnehmern zu sehen. „Und die Menge skandiert immer wieder: „Tod, Tod Israel“, schreibt die defacto-Redaktion. Unter welchem Motto die Demonstration stattfinde, sei nicht von wesentlicher Bedeutung, es ist viel wesentlicher, was im Bild tatsächlich passiert.

Frankfurter Allgemeine
13.2.10
Imam Türkyilmaz weist Antisemitismus-Vorwurf zurück
Brief an Dezernentin / Rat der Religionen distanziert sich

Den Blick gen Mekka gerichtet, beten etwa 40 Männer der Hazrat-Fatima-Gemeinde mit ihrem Imam Sabahattin Türkyilmaz. Es ist Freitagmittag, sie haben sich in ihrem Gebetsraum in Griesheim getroffen, die Männer im Erdge-schoss, die Frauen in einem Raum darüber. An einer Wand hängen drei Entwürfe der neuen Moschee, die die schiitische Gemeinde von Türken und Pakistanern in Hausen bauen will.

Doch um Türkyilmaz gibt es Streit. Der Hessische Rundfunk hatte am Sonntag Aufnahmen ausgestrahlt, die ihn bei Demonstrationen in Berlin – wo er bis 2008 Imam war – als Anhänger der schiitischen Hizbullah-Miliz darstellen und ihn mit Menschen zeigen, die Israel den Untergang wünschen. Seine Berliner Gemeinde sei eine „Parallelgesellschaft“, er setze sich für die „Vollverschleierung“ neun Jahre alter Mädchen ein, hieß es in der Sendung.

Die Empörung ist groß, und Aufklärung tut not. Auch Politiker fordern sie. So verlangt zum Beispiel Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Die Grünen) in einem Brief, Türkyilmaz solle sich „vollumfänglich erklären, sofern seine Eignung für dieses Amt, das in unserer Stadtgesellschaft auch ein öffentliches ist, nicht dauerhaft diskreditiert werden soll“. Türkyilmaz und der Generalsekretär der Gemeinde, Ünal Kaymakci, wollen ihr am Wochenende einen ausführlichen Brief schreiben, um die Vorwürfe zu entkräften.

Am Donnerstagabend hat sich der Rat der Religionen getroffen und die Gemeinde gestern aufgefordert, keine Fragen offenzulassen. In einer zweiten, später versandten Mitteilung lehnte der Rat gestern zudem jede Form von Antisemitismus ab, „sowie alle Äußerungen und Aktionen, die das Existenzrecht Israels in Frage stellen oder bedrohen“. Dazu gehörten auch die jährlich stattfindenden „Al-Quds-Demonstrationen“ in Berlin. Der Fernsehbeitrag hatte gezeigt, dass Türkyilmaz bei einer solchen Kundgebung dabei war. „Der Rat lehnt die Teilnahme an diesen Demonstrationen eindeutig ab“, heißt es in der Erklärung des Vorstands. Damit distanzierte sich das Gremium von Türkyilmaz.

So klar der Rat sich in dieser Sache äußerte, so unruhig ist es gestern in ihm geworden. Denn auch Kaymakci ist Mitglied im Vorstand, hat aber aus Zeitgründen auf jene zweite Mitteilung nicht rechtzeitig reagieren können, so dass der Vorstand sie ohne ihn veröffentlicht hatte, denn dies sollte möglichst schnell geschehen. Zudem hat Menachem Klein, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde, gestern mitgeteilt, dass er sein Amt im Vorstand wegen des Vorgangs ruhenlasse. So ist der Streit um Türkyilmaz die erste große Bewährungsprobe des Rates, den es seit April 2009 gibt. „Uns war es wichtig, Grenzen zu setzen und Klarheit zu schaffen“, sagt der Vorsitzende Athenagoras Ziliaskopoulos. Deswegen habe es die zweite Mitteilung gegeben. Per Mail verschickt wurde sie etwa zu der Zeit, da Türkyilmaz, Kaymakci und die anderen Gläubigen in der Moschee zusammen waren. In einem Interview vor dem Freitagsgebet widersprechen beide Männer den Vorwürfen. Gegen die kleine Gruppe, die bei einer der im Fernsehen gezeigten Demonstrationen „Tod, Tod Israel“ gerufen habe, seien sofort Ordner eingeschritten, und er habe dies nie skandiert, sagt der Imam. Außerdem habe er mit der Hizbullah nie etwas zu tun gehabt. Mit seinen Hizbullah-Rufen während der zweiten gezeigten Demonstration habe er in einem geistlichen Verständnis die „Partei Gottes“, so die Übersetzung des Wortes, gemeint. Den Vorwurf, antisemitisch zu sein, wies er entschieden zurück.

Schon zuvor hatten Türkyilmaz und Kaymakci in einer Mitteilung hervorgehoben, dass sie für das Existenzrecht Israels seien. „Bei uns gibt es keinen Antisemitismus, das erlaubt der Glaube nicht“, sagte der Imam gestern. Auch sei seine Gemeinde in Berlin nicht abgeschottet gewesen, habe etwa Kontakte zu kirchlichen Akademien gepflegt. Und auf Fragen von Eltern habe er gesagt, Mädchen von zehn Jahren an müssten Kopftücher tragen, von einer Vollverschleierung sei keine Rede gewesen. Kaymakci fügt hinzu, dass die Gemeinde jedem für Gespräche zur Verfügung stehe. Er bleibt bei seiner Behauptung, dass der Hessische Rundfunk eine „Hetzkampagne“ fahre – was der Sender zurückweist.

Der Beitrag vom Sonntag sei schon der zweite gewesen, der ihn habe demontieren sollen, so Kaymakci. Ziel sei, den islamischen Religionsunterricht in Hessen unmöglich zu machen. Das sieht auch der Rat der Religionen so. An den Vorarbeiten für einen solchen Unterricht ist Kaymakci beteiligt. An diesem Freitag predigt der Imam über Integration. Das sei ohnehin vorgesehen gewesen. „Der Islam empfiehlt das harmonische und friedliche Miteinander in der Gesellschaft“, sagt er. Regelmäßig predigt er erst auf Türkisch, dann auf Deutsch. Auch die neue Moschee soll nicht nur ein Gebetshaus, sondern auch ein Begegnungszentrum für Menschen verschiedener Religionen sein. Befragt man Gemeindemitglieder zu den Vorwürfen gegen den Imam, stellen sie sich vor ihn. Auch Emre Basaran verteidigt Türkyilmaz. Der 22 Jahre alte Jurastudent soll die öffentliche Bibliothek in dem neuen Gebäude aufbauen: „Wir setzen unsere Arbeit fort.“ (Siehe Leserbriefe, Seite 46.) STEFAN TOEPFER

FR 13.2.10
Vorwürfe gegen Frankfurter Imam Rat der Religionen ist besorgt
Von Susanne Schmidt-Lüer und Canan Topçu

Die Auseinandersetzung um den Imam der Hazrat-Fatima-Gemeinde ist ein Thema für den Frankfurter Rat der Religionen, sagt Micha Brumlik. Der Frankfurter Professor für Erziehungswissenschaften zählt zu den Erstunterzeichnern eines Aufrufs gegen den Al-Quds-Tag am 21. Oktober 2006 in Berlin: „Aufruf gegen Islamismus, Judenhass und Vernichtungsdrohungen gegen Israel. Für Demokratie und Menschenrechte im Iran“ ist dieser überschrieben. An umstrittenen Al-Quds-Demonstrationen hat Sebahattin Türkyilmaz teilgenommen. Wer genau die Veranstalter seien, habe er nicht gewusst, erklärte der Imam im Gespräch mit der FR. Ausschlaggebend für seine Teilnahme sei der Anlass des Protestmarsches gewesen, nämlich gegen die Besetzung palästinensischer Gebiete durch Israel zu demonstrieren.

Sondersitzung des Rats der Religionen

Ob man auf Al-Quds-Demonstrationen auftreten sollte, bezeichnet Brumlik als Thema für den Rat der Religionen. Er selbst ist der Meinung, dass man dort nicht auftreten sollte. Brumlik will dabei „nicht in Abrede stellen“, dass es kritikwürdig ist, „wie der israelische Staat Ostjerusalem annektierte und auch jetzt noch dort siedelt“. Es sei die Frage, ob die Teilnahme an der Al-Quds-Demonstration als „antisemitisch zu bewerten“ ist: „Es gibt immer einen Aufruf zu der Demonstration, man weiß, welche Gruppen dahinter stehen. „Die Haltung des integrationspolitischen Sprechers der CDU, Thomas Kirchner, ein Antisemit solle nicht bei der Grundsteinlegung für eine Moschee dabei sein, hält Brumlik für richtig. Er rät, „die Gelegenheit beim Schopfe zu nehmen, um über das Thema der politischen Hisbollah und der Hamas in Deutschland und auch in Frankfurt zu sprechen“. Der Vorstand des Rats der Religionen, einem Gremium aus Vertretern von neun Religionsgemeinschaften, kam Donnerstagabend zu einer Sondersitzung zusammen, um sich mit den Anschuldigungen gegen Imam Türkyilmaz und Ünal Kaymakçi als Generalsekretär der Hazrat-Fatima-Gemeinde zu befassen. Im Vorfeld gab Ratsvorsitzender Athenagoras Ziliaskopoulos eine persönliche Erklärung ab: „Ich bin besorgt ob der Vorwürfe und bedauere, dass die Gemeinde in Verruf gerät. Bisher war die Hazrat-Fatima-Gemeinde sehr transparent.“

„Tod, Tod Israel“

Zu der Kritik von Kaymakçi, dass in dem am Sonntag gesendeten HR-Beitrag Bilder von zwei unterschiedlichen Demonstrationen gezeigt und damit gezielt falsche Aussagen transportiert würden, sagt HR-Pressesprecher Tobias Häuser: „In den Beitrag hat sich ein Fehler eingeschlichen. Dies ist ärgerlich, ändert aber nichts an dem Inhalt des Beitrags.“ Dieser zeichne sich nicht durch Polemik, sondern durch gute Recherche aus. Von Hetze und Schmutzkampagne könne nicht die Rede sein.

Die defacto-Redaktion erklärt auf FR-Anfrage: „Bei der einen gezeigten Demonstration vom 12. August 2006 handelt es sich nicht um die jährliche Al-Quds-Demonstration zur ,Solidarität mit der leidenden Bevölkerung in Palästina´, sondern um eine Demonstration gegen den Einmarsch Israels im Südlibanon. Diese Demonstration ist von uns versehentlich als eine Al-Quds-Demonstration bezeichnet worden.“ Auf diesen Bildern sei Türkyilmaz mit weiteren Demonstrationsteilnehmern zu sehen. „Und die Menge skandiert immer wieder: „Tod, Tod Israel“, schreibt die defacto-Redaktion. „Unter welchem Motto die Demonstration stattfinde sei nicht von wesentlicher Bedeutung, es ist viel wesentlicher, was im Bild tatsächlich passiert.“

FR 13.2.10
„Antisemitische Demo“
Rat der Religionen berät über Al-Quds
Von Canan Topçu

Der Druck auf den Geistlichen der Hazrat-Fatima-Gemeinde wächst. Sebahattin Türkyilmaz, der an den umstrittenen Al-Quds-Demonstrationen in Berlin teilgenommen hat, wird des Antisemitismus beschuldigt. Der Imam und die schiitische Gemeinde, in der er seit einem Jahr beschäftigt ist, werden aufgefordert, „keine Fragen mehr offen zu lassen“. Es seien „schwerwiegende Vorwürfe“, die gegen den Imam erhoben werden, so der Rat der Religionen am Tag nach einer außerordentlichen Sitzung. Die in einem Magazinbeitrag des HR-Fernsehens formulierten Anschuldigungen müssten „lückenlos und zweifelsfrei“ ausgeräumt werden. Mehrere Stunden tagte das Gremium am Donnerstagabend. Der Vorstand machte sich ein Meinungsbild zu dem im TV-Beitrag formulierten Aussagen über Türkyilmaz und erklärte am Freitag: „Im Blick auf die jährlich stattfindenden Al-Quds-Demonstrationen in Berlin teilt der Rat die Einschätzung, dass diese in Inhalt und Intention antisemitisch sind und das Existenzrecht Israels in Frage stellen.“ Daher lehne das Gremium die Teilnahme an diesen Demonstrationen ab. Im Vorstand des Rates der Religionen ist auch Ünal Kaymakçi. Der Generalsekretär der schiitischen Gemeinde sagt im FR-Interview, dass er „seinem Imam vertraue“. Der Vorstand der Moscheegemeinde habe sich in einer Unterredung mit Türkyilmaz davon überzeugen können, dass die Vorwürfe unberechtigt sind. „Ich bin in großer Sorge um den guten Ruf der Hazrat-Fatima-Gemeinde“, erklärte Ilona Klemens, Beauftragte für den interreligiösen Dialog beim evangelischen Stadtdekanat. „Ich habe ein Problem damit, dass Herr Türkyilmaz an den antisemitisch einzuordnenden Quds-Demonstrationen teilgenommen hat“, sagt die Pfarrerin. Sie werde das persönliche Gespräch mit dem Imam suchen und ihre Positionen sehr deutlich machen. Die Frage, ob mit Türkyilmaz der interreligiöse Dialog fortgeführt werden könne, sei jetzt noch nicht beantwortbar. Unklar ist, wie das Amt für multikulturelle Angelegenheiten (AmkA) mit Türkyilmaz umgeht. Der schiitische Geistliche ist Teilnehmer der Imamfortbildung, die das AmkA im Januar gestartet hat. Das nächste Treffen der Imame findet am 22. Februar statt. Das weitere Vorgehen hänge von der Beantwortung offener Fragen ab, etwa der, ob Türkyilmaz in Berlin wirklich einer „ziemlich abgeschotteten Gemeinde“ vorstand, sagte Amtsleiterin Helga Nagel. Nach FR-Informationen übermittelte Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg an Kaymakçi einen als dringlich eingeschätzten Katalog mit zehn Fragen. Die Stadträtin betont , dass es unredlich sei, Frankfurter muslimischen Glaubens mit radikalen Kräften gleichzusetzen. Doch sei es auch an den Gemeinden, von sich aus konsequent und öffentlich „klare und eindeutige Trennlinien zu ziehen“ und schon dem Anschein von Fundamentalismus aktiv entgegenzutreten.

FNP 13.2.10

Enttäuschung über den demonstrierenden Imam Es hätte so eine schöne Geschichte sein können: Da stehen die höchst attraktive Frankfurter Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) am 13. Juni 2009 im tief ausgeschnittenen Dekolleté und der Imam (Vorsteher) der Hazrat-Fatima-Gemeinde, Sabahatin Türykilmaz, bei der Grundsteinlegung für die neue Moschee in Hausen einträchtig neben einander. Der bärtige islamische Geistliche ist in Turban und Umhang gewandet. Die traditionelle Welt des Islam scheint versöhnt mit der modernen, offenen Frankfurter Gesellschaft. Das Bild der Gegensätze, veröffentlicht in der FNP, (der schiitische Imam und die emanzipierte, unverschleierte Frau) macht derzeit in den muslimischen Heimatländern vieler Zuwanderer die Runde, wie ein Zeitungshändler an seinem Kiosk berichtete. Wahrscheinlich leider nicht, um damit die Versöhntheit unterschiedlicher Welten darzustellen. Aber selbst ein Imam muss es in einer offenen Gesellschaft aushalten, dass eine dekolletierte Amtsträgerin neben ihm steht. Die Stadtgesellschaft indes interpretierte dieses Bild durchaus hoffnungsfroh. Nun hat es einen Riss bekommen. Denn der seit 2008 in Frankfurt tätige Imam ist im Nachrichtenmagazin «defacto» des hr als Teilnehmer einer anti-isrealischen Demonstration gezeigt worden. Er läuft in einer Menge, die «Tod, Tod Israel!» ruft. Plötzlich ist sie wieder da, die Angst der offenen Gesellschaft vor einem Islam mit zwei Gesichtern: Einem Islam, der sich in seiner Öffentlichkeitsarbeit dialogbereit und offen zeigt, sich dann aber doch stets politisch artikuliert und zur Radikalität neigt. Die Enttäuschung der Stadtgesellschaft über den Imam ist umso größer, da sowohl die Kirchen als auch die tragenden Fraktion im Römer, mit Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) an der Spitze, dem nicht gerade geringen Widerstand gegen den Bau der Moschee in Hausen die Stirn boten. Natürlich hatte die Gemeinde das Recht, dort zu bauen. Aber unausgesprochen war auch seitens der Stadtgesellschaft die Hoffnung verbunden, es möge sich dort eine Gemeinde entwickeln, die ihre vornehmste Aufgabe in der spirituellen Hinwendung zu Allah sieht, und nicht in der politischen Parteinahme für den Libanon.

Auch die Reaktion des Gemeindesekretärs Ünal Kaymakci ließ aus Sicht vieler – wie die politischen Stellungnahmen beweisen – zu wünschen übrig. Kaymakci sieht hinter der Veröffentlichung des Videos mit dem demonstrierenden Iman «eine Hetzkampagne des hr-Landesmagazins ,defacto’ mit dem eigentlichen Ziel, das Projekt des islamischen Religionsunterrichts in Hessen zu torpedieren». Das klingt nun schon sehr nach Verschwörungstheorie. Dadurch sei der gute Ruf der Gemeinde ruiniert worden. Über mögliches Fehlverhalten des demonstrierenden Imam verliert Kaymakci, von Beruf Rechtsanwalt, kein Wort. Bedauerlicherweise hat sich gestern der Rat der Religionen, dessen stellvertretender Vorsitzender Kaymacki ebenfalls ist, dieser bedenklichen Sichtweise angeschlossen. Auf die vom Rat ebenfalls gewünschte lückenlose Aufklärung wird man wohl vergeblich warten. Und die Bürger in Hausen leben mit dem Argwohn, einen radikalen Imam nebst vielköpfiger Gemeinde in ihrer Nachbarschaft zu haben.

FR 16.2.10
Die Antworten sind geschrieben
Hazrat-Fatima-Gemeinde erklärt sich gegenüber der Integrations-Dezernentin
Von Canan Topçu

Am Wochenende haben Ünal Kaymakçi und Sabahattin Türkyilmaz viel miteinander geredet. Der Generalsekretär und der Imam der Hazrat-Fatima-Gemeinde gingen noch mal die im Beitrag des HR-Fernsehens formulierten Vorwürfe durch. Auch haben sich die beiden den Fragen gewidmet, auf deren Beantwortung die Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg drängt. Dazu gehört auch die Frage, wie die Hazrat-Fatima-Gemeinde und ihr Imam zu den Al-Quds-Demonstrationen stehen. Nach einer vom American Jewish Committee in Auftrag gegebenen und auf Deutsch veröffentlichten Expertise zum Al-Quds-Tag gilt diese Demonstration als „antisemitische iranische Regierungspropaganda“ und steht für die Forderung zur „Auslöschung des zionistischen Staates“. Aufgerufen hatte zu den Demonstrationen 1979 der iranische Revolutionsführer Ajatollah Khomeini. Sie findet jeweils am letzten Freitag des Fastenmonats Ramadan vielerorts statt – auch in Berlin. Dass Imam Türkyilmaz nichts über die Hintergründe dieser Demonstration gewusst haben will, wie er selbst erklärte, klingt in vielen Ohren unglaubwürdig. „Ich kann nicht nachvollziehen, dass ein Geistlicher, der acht Jahre im Iran studiert hat, nichts davon mitbekommen hat“: So formuliert ein am Interreligiösen Dialog beteiligter Frankfurter sein Misstrauen. Andere fühlen sich „an der Nase herumgeführt“ über die Äußerung des Imams, nicht gewusst zu haben, wer diese Demonstrationen organisiere. Und es gibt Verwunderung darüber, dass Kaymakçi sich nicht eindeutig von den Al-Quds-Demonstrationen distanziert. Der Rat der Religionen (RDR) hatte die Teilnahme an Al-Quds-Demonstrationen in einer zum Wochenende veröffentlichten Erklärung abgelehnt und sich somit auch von Türkyilmaz distanziert, der sich in Berlin an diesen Kundgebungen beteiligt hat. Der interreligiöse Dialog hat nach den Anschuldigungen gegen Türkyilmaz einen Riss bekommen; Enttäuschung macht sich in Frankfurt breit, gleichzeitig wird die Hoffnung formuliert, dass die Gemeinde „die Zeit nutzt, alle Zweifel aus dem Weg zu räumen“. Denn es steht „viel auf dem Spiel“. Am Wochenende nutzten Türkyilmaz und Kaymakçi die Zeit, Antworten auf die von Stadträtin Eskandari-Grünberg gestellten Fragen zu formulieren. Die Antworten haben Imam und Generalsekretär schriftlich festgehalten und wollen sie am heutigen Dienstag mit dem Moscheevorstand besprechen. Am Mittwoch soll die Integrationsdezernentin die Antworten erhalten. Was danach geschieht? Das Dezernat behält sich vor, die Fragen als auch die Antworten zu veröffentlichen.

Eine der Fragen betrifft die „Vollverschleierung von neunjährigen Mädchen“, für die sich der schiitische Geistliche dem HR- Magazinbeitrag zufolge in der Berliner Gemeinde, wo er zuvor tätig gewesen war, eingesetzt haben soll. Kaymakçi kritisiert einmal mehr die unsaubere Recherche der Journalisten und betont, dass es sich bei dem verzerrt dargestellten Vorfall um ein „theologisches Gutachten zum Tragen des Kopftuch“ handele, den der Imam auf Anfrage der Eltern erstellt habe. „Wir werden dieses Gutachten unserem Antwortschreiben beifügen.“ Unterschiedliche Einschätzungen gibt es in Bezug auf die Moscheegemeinde in Berlin, bei der Türkyilmaz bis Ende 2008 Imam war. Arnold Mengelkoch, Integrationsbeauftragter des Bezirks Neukölln, spricht davon, dass die Gemeinde ziemlich „verschlossen“ sei und den Eindruck erwecke, kein Interesse an dem sozialen Leben im Bezirk zu haben.

Als „offen und entgegenkommend“ beschreibt hingegen die Islamwissenschaftlerin Riem Spielhaus die Imam-Reza-Gemeinde. Spielhaus hat im Auftrag des Berliner Integrationsbeauftragten Günter Piening eine Studie zu muslimischen Gemeinden in Berlin erstellt und Imam Türkyilmaz als kooperativ wahrgenommen.

EPD Hessen
Imam-Streit: Rat der Religionen lehnt Teilnahme an Al-Kuds-Demonstrationen ab

Frankfurt a.M. (epd). Der Frankfurter Rat der Religionen hat in einer Erklärung am 13. Februar die Teilnahme an israelfeindlichen Al-Kuds-Demonstrationen abgelehnt. Die vom iranischen Revolutionsführer Ayatollah Khomeini eingeführten, jährlichen Demonstrationen gegen Israel seien „in Inhalt und Intention antisemitisch“, teilte der Vorstand in Frankfurt am Main mit. Anlass waren Berichte des Fernsehmagazins „defacto“ des Hessischen Rundfunks (hr), wonach der Imam der Frankfurter Hazrat Fatima Zehra Moschee, Sabahattin Türkyilmaz, an israelfeindlichen Demonstrationen in vergangenen Jahren in Berlin teilgenommen hatte.

„Im Angesicht der Geschichte dieser Stadt und dieses Landes lehnt der Rat unmissverständlich jede Form von Antisemitismus ab sowie alle Äußerungen und Aktionen, die das Existenzrecht Israels infrage stellen oder bedrohen“, schreibt der Rat der Religionen. Damit reagierte der Rat auf die Ankündigung des Rabbiners der jüdischen Gemeinde Frankfurt, Menachem Halevi Klein, seine Mitgliedschaft im Vorstand ruhen zu lassen. In einer ersten Stellungnahme vom vergangenen Freitag hatte der Rat, dessen stellvertretender Vorsitzender der Generalsekretär der kritisierten Gemeinde, Ünal Kaymakci, ist, die Kritik an dem Imam als „Denunziation“ zurückgewiesen, gleichzeitig die Moscheegemeinde aber aufgefordert, die Vorwürfe lückenlos auszuräumen.

Das hr-Magazin „defacto“ hatte vor einer Woche gezeigt, wie Imam Türkyilmaz in Berlin 2006 an einer Demonstration gegen den Einmarsch israelischer Soldaten in den Südlibanon teilnahm, auf der die Rufe „Tod, Tod Israel“ skandiert wurden. Ebenso wurde er mit einem Megaphon in der Hand auf einer Demonstration 2001 gezeigt, auf der der Satz „Wir gehören zur Gemeinschaft der Hizbollah“, der militanten pro-iranischen schiitischen Bewegung im Libanon, gerufen wurde.

Kaymakci und Türkyilmaz hatten das hr-Magazin heftig kritisiert, es betreibe eine Hetzkampagne, verdrehe Tatsachen und versuche die Öffentlichkeit zu manipulieren. Türkyilmaz sei nur „Mitläufer“ bei den Demonstrationen gewesen, auf denen „klassische schiitische Prozessionsrufe“ zu hören gewesen seien. Die Gemeinde spreche sich „ausdrücklich für das Recht der Menschen in Israel und Palästina auf Sicherheit im Rahmen einer friedlichen Koexistenz“ aus. Im Übrigen halte die Gemeinde eine Teilnahme an Al-Kuds-Demonstrationen gegen Israel für „nicht anstößig“.