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Jahresrückblick 2015 – Aktiv im Dialog zwischen Religionen und Kulturen

Im Jahr 2015 hat der Frankfurter Rat der Religionen – auch im Rahmen des historischen 25-jährigen Jubiläums zur deutschen Einheit – wichtige interreligiöse Impulse setzen können.

In zweijährigem Turnus entsenden die Religionen neue Mitglieder in den Frankfurter Rat der Religionen, was 2015 zu einer fast vollständig neuen Besetzung des Rates führte. Auch die Zusammensetzung des Vorstands hat sich nach seiner Neuwahl am 15. Mai geändert. Das bedeutet frische Impulse für den interreligiösen Dialog. Neben dem Vorsitzenden Khushwant Singh von der Sikh-Religion und seinem Vertreter Prof. Dr. Joachim Valentin von der katholischen Kirche gehören dem Vorstand ein Buddhist, ein Muslim und ein Bahai an.

Die interreligiöse Bildung von Jugendlichen ist ein Kernanliegen des Rats der Religionen. In Kooperation mit der Bildungsstätte Anne Frank und dem Haus am Dom hatte der Rat der Religionen im Jahr 2013 das Projekt „Kaum zu glauben“ ins Leben gerufen und aus Ratsmitgliederbeiträgen sowie Stiftungsmitteln finanziert. Die Initiative fördert den friedlichen Austausch – vor allem zwischen jüdischen und muslimischen Jugendlichen – an ausgewählten Frankfurter Schulen im Rahmen von Schüler-und Lehrerworkshops. Auf diesem Weg wurden über 4.000 Schülerinnen und Schüler an fast allen Frankfurter Schulen erreicht. Die vorläufigen Ergebnisse des Projekts wurden am 2. Juli 2015 im Haus am Dom im Rahmen einer bundesweit besetzten Fachtagung präsentiert.

Ebenfalls im Haus am Dom hat der Rat der Religionen am 23. Juli 2015 eine Podiumsdiskussion zum religiösen Leben im säkularen Staat durchgeführt. Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Justiz, darunter Prof. Dr. Ute Sackofsky, Richterin am hessischen Staatsgerichtshof, und Michael zu Löwenstein, Vorsitzender der CDU-Fraktion Frankfurt, erörterten mit Ratsvorsitzendem Khushwant Singh die Bedeutung der positiven Religionsfreiheit. Weitere Informationen finden Sie hier.

Robert Malorny ist seit dem 10. September 2015 der neue Geschäftsführer des Rates der Religionen. Malorny war zuvor sechs Jahre lang Pressesprecher der Stadt Aschaffenburg. Über seine Ziele als Geschäftsführer spricht Malorny in einem ausführlichen Interview. Dieses finden Sie hier.

Organisiert vom Rat der Religionen in Kooperation mit der Stadt Frankfurt, haben neun Religionsgemeinschaften am 30. September 2015 erstmals in der Frankfurter Paulskirche mit Liedern und Rezitationen die Weisheiten ihrer Religionen in einer multireligiösen Feier zelebriert. In einer gemeinsamen Erklärung bekannten sie sich zum gegenseitigen Respekt, zum friedlichen Dialog und zur konstruktiven Zusammenarbeit. Die Stadt Frankfurt hatte dazu anlässlich des 25. Jahrestags der Deutschen Einheit eingeladen. Das Programmheft der Feier, den Text der gemeinsamen Erklärung aller Religionsgemeinschaften und zahlreiche Fotos finden Sie hier. Ein Video zur Feier wird Anfang des neuen Jahres auf der Ratsseite eingestellt.

Die Deutsche Einheit ist ohne ein Bekenntnis zur religiösen Vielfalt nicht denkbar. Dies kam beim Festgottesdienst zum 25. Jahrestag der Deutschen Einheit zum Ausdruck. Ratsvorsitzender Khushwant Singh nahm am ökumenischen Festgottesdienst im Frankfurter Bartholomäus-Dom teil und sprach damit erstmals als Vertreter einer nicht-abrahamitischen Religion Seite an Seite mit einer Rabbinerin, einem Imam und christlichen Vertretern. Sein beim Gottesdienst vorgetragener Friedensgruß sowie ein Videomitschnitt der Feier finden Sie hier.

Die Unterstützung von Flüchtlingen beschränkt sich nicht auf kommunale und christliche Organisationen. Im Gegenteil erleichtern auch andere Religionsgemeinschaften den zahlreichen Flüchtlingen die Ankunft in Deutschland. Auf die zahlreichen Aktivitäten der muslimischen Gemeinden in Frankfurt hat der Rat der Religionen in einer Pressemitteilung hingewiesen. Diese finden Sie hier.

Über einen Zeitraum von sechs Jahren hat Ilona Klemens als Geschäftsführerin hervorragende Arbeit für den Rat der Religionen geleistet. Ihr großes Engagement für den friedlichen Austausch zwischen den Religionsgemeinschaften hat der Rat der Religionen auf seiner Mitgliederversammlung am 15. Dezember 2015 gewürdigt: Nach Diether Heesemann wurde Ilona Klemens zum zweiten Ehrenmitglied des Rats der Religionen ernannt. Weitere Informationen finden Sie hier.

Die Ankunft etwa einer Million Flüchtlinge allein im Jahr 2015 in Deutschland, vor allem aus dem mittleren Osten und Afrika, verändert unsere Gesellschaft – auch das multikulturelle Frankfurt. Der Rat der Religionen begleitet diesen Prozess seit seinem Bestehen in vielfältiger Weise. Die im Rat versammelte interreligiöse Kompetenz und Sensibilität wird gerade auch für die anstehende Integration muslimischer, yezidischer und christlicher Mitmenschen in den nächsten Jahre nicht zuletzt in den Kindertagesstätten, Schulen und auf dem Arbeitsmarkt dringend vonnöten sein. Die staatlichen Kultusbehörden werden ohne die Entwicklung von interreligiöser und interkultureller Kompetenz die Integration zehntausender Schülerinnen und Schüler nicht bewältigen können. Der Rat steht mit seinem Kompetenzen, seiner Multiplikatorfunktion und seinen Erfahrungen im Rahmen des Projektes „Kaum zu glauben“ als Ansprechpartner bereit.

Für das Jahr 2016 erhofft sich der Rat mehr Frieden, Gerechtigkeit, Versöhnung und Dialog und ist bereit seinen ehrenamtlichen Beitrag zu leisten. Die vielen schrecklichen Terrorattentate unter Missbrauch des Islams erinnern uns alle daran, in unseren eigenen Reihen die religiöse Bildung zu verbessern und präventiv gegen jegliche Form von Radikalisierung vorzugehen. Der Rat sieht gleichwohl alle polarisierenden und Vorurteile schürenden Äußerungen über Flüchtlinge sehr kritisch. Zur Bewältigung der großen Herausforderung bedarf es einer gesamtgesellschaftlichen solidarischen Anstrengung, die geleitet ist von Mut, Besonnenheit und Weitsicht. Gerade auf muslimischer und jüdischer Seite erachtet der Rat es als notwendig an, deutlich stärker als bisher in den direkten Dialog zu treten, um bestehende Sorgen und Vorurteile abbauen zu können.

Wir bedanken uns herzlich bei allen, die so engagiert zum interreligiösen Dialog beigetragen haben – und wünschen allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern sowie neu Zugewanderten besinnliche Feiertage und ein friedliches Jahr 2016.