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Frankfurter Rundschau 24.2.10 – Grenze überschritten

FR 24.2.10
Grenze überschritten
Der Sprecher der Hazrat-Fatima-Gemeinde, Ünal Kaymakçi, erläutert den Fall Türkyilmaz
Von Canan Topçu

Mit dem Eingeständnis von Fehlern hat die Hazrat-Fatima-Gemeinde auf die Vorwürfe reagiert, mit denen die Gemeinde und ihr Imam Sabahaddin Türkyilmaz seit mehr als zwei Wochen belastet werden. In einer Pressekonferenz erklärte am Dienstag Ünal Kaymakçi als Sprecher der schiitischen Gemeinde, dass Muslime der „historischen Verantwortung der deutschen Gesellschaft gegenüber Juden und dem Judentum“ bewusst sein müssten. Der Imam habe in dieser „neuralgischen Frage“ die Grenzen überschritten. In die Kritik war Türkyilmaz geraten, nach dem er in Medienberichten als Teilnehmer von israelfeindlichen Al-Quds-Demonstrationen gezeigt worden war. Zudem tauchten Predigten des schiitischen Geistlichen auf, in denen er sich unter anderem zu dem vom iranischen Revolutionsführer Ajatollah Khomeini ins Leben gerufenen Al-Quds-Tags bezieht. Auf die Frage, warum nicht schon nach der Predigt die Gemeinde darauf reagiert habe, räumte Kaymakçi fehlende Sensibilität ein und erklärte: „Die Dimension der Predigt wurde nicht erkannt.“ Er selber sei bei diesem Freitagsgebet nicht dabei gewesen und habe von der Predigt, die Türkyilmaz im September 2009 gehalten und später auf seine Internetseite gestellt hatte, erst vergangenen Mittwoch erfahren. „Ich habe umgehend darauf reagiert und den Imam zur Rede gestellt.“ Kaymakçi wies darauf hin, dass es bei Muslimen im Bezug auf den Nahost-Konflikt ein grundsätzliches Problem gebe. Es mangele an der „historisch begründeten und berechtigten Sensibilität in Deutschland“. Wegen „ihrer religiösen, ethnischen, kulturellen oder historischen Verbundenheit mit Palästina und Jerusalem“ hätten sie „eine eigene Sensibilität und Verantwortung“. Aufgrund der seit Jahren anhaltenden Besatzungs- und Besiedlungspolitik des Staates Israel und seiner völkerrechtswidrigen Angriffe auf Gaza gebe es neben der sachlichen und berechtigten Kritik an israelischer Politik auch eine große Empörung und emotional beladene Haltung vieler Muslime gegenüber dem Staat Israel. „Es gilt nun, die schwierige Balance und die große Herausforderung dieser verschiedenen Sensibilitäten und die Grenze zwischen berechtigter und sachlicher Kritik an israelischer Politik und antisemitischen Tendenzen abzustecken“, sagte Kaymakçi. Gleichzeitig betonte er, dass sich die Hazrat-Fatima-Gemeinde „eindeutig zum Grundgesetz und zur demokratischen Rechtsordnung der Bundesrepublik“ bekenne und darin keinen Widerspruch zu ihrer islamischen Identität sehe. Sowohl die Politik als auch der Rat der Religionen hatten die Gemeinde aufgefordert, sich eindeutig von ihrem Imam zu distanzieren und klar Position zu den Vorwürfen zu beziehen. Türkyilmaz hatte am Sonntag seinen Rücktritt von allen Ämtern in der Gemeinde erklärt. Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) sieht in der ihr schriftlich zugegangenen Erklärung „einen ersten Schritt in die richtige Richtung und auf dem Weg zu einer weiteren Klärung“. Nicht nur die Äußerungen des Imams, auch das Verhalten des Moscheevereins sei „zu einer schweren Belastung für den Zusammenhalt in unserer Stadt“ geworden. Die Stellungnahme der Gemeinde zeuge von einer kritischen Selbsteinschätzung und von einem Bemühen, sich richtig zu erklären und zu positionieren. „Das ist anzuerkennen“, betont die Stadträtin. Auch andere Vertreter von Politik sowie der Kirchen zeigten sich in erster Reaktion zufrieden mit der Stellungnahme. Damit befasste sich am Dienstagabend der Rat der Religionen. Auch Kaymakçi, der zum Vorstand des Gremiums angehört, nahm an der Sitzung teil. Ratsvorsitzender Athanagoras Ziliaskopoulos hatte in der vergangenen Woche erklärt, dass die Zusammenarbeit beendet werde, wenn Kaymakçi sich nicht eindeutig vom Imam distanziere.

Leitartikel
Ein Anfang

Es war eine Veranstaltung, die 90 Minuten dauerte und die mit einem abgewandelten Brecht-Zitat auf den Punkt gebracht werden kann: Alle Fragen blieben nicht offen. Nach der öffentlichen Erklärung von Ünal Kaymakçi zu den Vorwürfen gegen den Imam der Hazrat-Fatima-Gemeinde klingt bei Politikern und seinen Partnern im interreligiösen Dialog Erleichterung durch. Und dies, weil der Generalsekretär der Moscheegemeinde sich nicht herausredete, sondern Fehlverhalten einräumte. Fehlverhalten unter anderem des Imams, der sich als muslimischer Geistlicher mit seiner Teilnahme an israelfeindlichen Demonstrationen jenseits der Grenzen bewegt habe, die in diesem Land akzeptabel sind. Mit seinem – für alle Mitglieder der Hazrat-Fatima-Gemeinde stellvertretend ausgesprochenen – Bekenntnis zur demokratischen Rechtsordnung der Bundesrepublik und der Erklärung, „jegliche Form des Antisemitismus entschieden abzulehnen“, bekamen all jene, die vor dem Konflikt um Imam Türkylimaz an Kaymakçis Seite waren, zu hören, was sie von ihm zu hören hofften. Ob sich aber ihr Misstrauen so mir nichts dir nichts legen wird? Manche Frage wurde zwar beantwortet, doch es bleiben Zweifel, ob er wirklich alle Karten auf den Tisch gelegt und ganz die Wahrheit gesagt hat. Diese Zweifel werden noch eine Weile an den Menschen nagen, die auf seiner Seite standen, als es galt, den erbitterten Streit um den Moscheebau der Hazrat-Fatima-Gemeinde durchzustehen. In vielen Ohren klingt es unglaubwürdig, dass Kaymakçi beispielsweise nicht gewusst hat, dass Türkyilmaz nicht nur ein Imam mit theologischen Qualitäten ist, für die er geschätzt wird, sondern auch ein Geistlicher, der sich gemein macht mit politischen Positionen der iranischen Regierung. Gibt es doch Verbindungen zum Iran, wie Journalisten bei ihren Recherchen herausgefunden haben wollen? Wird der teure Moscheebau womöglich mit Geld aus dem Iran gebaut? Kaymakçi möchte an seinen Worten und Taten gemessen und nicht durch Recherchen in seinem Umfeld belastet werden. Gestern versicherte er, dass sowohl die Gemeinde als auch er selbst Lehren aus dem Vorfall ziehen würden. Die unter anderem darin bestehen sollen, bei der Wahl des Imams achtsamer vorzugehen. Welche Lehren kann und sollte die Stadt und die Politik aus diesem Imam-Konflikt ziehen? Auf alle Fälle die, dass es vieler Diskussionen und Gespräche bedarf, um einen Konsens darüber zu erzielen, was moralisch und politisch verwerflich ist. Und dass mit der Ablösung dieses Imams das Problem bei weitem nicht beendet ist.

Canan Topçu

Nach dem Konflikt um den Imam bedarf es noch vieler Diskussionen und Gespräche, um einen Konsens darüber zu erzielen, was moralisch und politisch verwerflich ist.

Gemeinde reuig

Der Vorstand der Frankfurter Hazrat-Fatima-Gemeinde hat jetzt Fehler eingestanden und sich von den Aussagen seines Imams distanziert. Die Dimension seiner Predigt sei verkannt worden. Gleichzeitig gebe es ein grundsätzliches Problem der Muslime mit Israel. Seite F1

FNP 24.2.10
Gemeinde zieht klare Grenzen
Die Hazrat Fatima Gemeinde distanzierte sich deutlich von den Positionen ihres früheren Imams

Mit deutlichen Worten hat sich Ünal Kaymakci, Sprecher der Hazrat Fatima Gemeinde, von den israelfeindlichen Äußerungen des Imams Türkyilmaz distanziert und zur demokratischen Ordnung der Bundesrepublik bekannt. In der Stadt kam seine Entschuldigung an, aber Skepsis bleibt.

Frankfurt. Nach der Predigt konnte es keinen Zweifel mehr geben. «Damit war eine empfindliche Grenze überschritten worden, mit der wir uns nicht identifizieren können», bezog Ünal Kaymakci, Generalsekretär der Hazrat Fatima Gemeinde, gestern Stellung zum antisemitischen Verhalten des Imams Sabahattin Türkyilmaz, der am Sonntag seinen Rücktritt erklärt hatte. Ihm sei sofort klar geworden, dass eine weitere Zusammenarbeit mit dem Geistlichen unmöglich ist, sagte Kaymakci. Es war kein leichter Auftritt, den er da gestern gemeinsam mit einem (schweigenden) Vorstandsmitglied seiner Gemeinde und Ramazan Kuruyüz, Vorsitzender der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen (IRH), vor großem Publikum hinter sich brachte. Alle Zweifel und Fragen, die sich in den vergangenen Wochen aufgebaut hatten, konnte er mit seiner

Erklärung nicht auflösen.
Erst spät reagiert

Denn sein «sofort» kam nach Ansicht vieler ausgesprochen spät. Die Predigt, die laut Kaymakci das Vertrauen zu seinem Imam zerstört hat, hatte dieser bereits im September 2009 gehalten. Vor den Gläubigen der Hazrat Fatima Gemeinde, in deren Moschee in Griesheim. Sie hatten zugehört, als Türkyilmaz für die Demonstrationen am Al-Quds- oder auch Jerusalem-Tag warb, dem Tag, den Ajatollah Khomeini zum Solidaritätstag für die Palästinenser – und zum Kampftag gegen den Staat Israel erklärt hatte. Die Gläubigen hatten auch gehört, wie der Imam von Imperialisten sprach, die Afghanistan und den Irak besetzt hielten, und er betete «Möge Allah das besetzte Palästina aus den Händen der Zionisten befreien». Empört hatte sich deswegen niemand. Das taten erst fünf Monate später Journalisten und Frankfurter, die davon erfuhren. «Wir erkennen ehrlicherweise an, dass die Gemeinde die Dimension dieses Predigtteils bezüglich des Al-Quds-Tages in dem Moment nicht erkannt hat», räumte Kaymakci ein. Er selbst habe die Freitagspredigt damals nicht gehört. Journalisten hatten ihn nun darauf gestoßen, und endlich brachte die Gemeinde einen Prozess ins Rollen, auf den Bürger, Religionsvertreter und Politiker warteten, seitdem die antiisraelischen Aktivitäten von Imam Türkyilmaz bekannt wurden.

Schwere Trennung

Aber für die Gemeinde war die Trennung auch jetzt keine einfache. Erst nach Diskussionen über die Tragweite der September-Predigt habe die Gemeinde «mit überwiegender Mehrheit» den Entschluss zur Entlassung des Imams mitgetragen, erklärte ihr Generalsekretär. Kaymakci räumte ein, dass es ein «defizitäres Verständnis» der Muslime gegenüber der historischen Verantwortung und Sensibilität der Deutschen gebe. Doch als Bürger dieses Staates müssten die Muslime «die gesellschaftlichen Gegebenheiten und Verantwortungen Deutschlands verstehen, achten und entsprechend handeln». Auf der anderen Seite müssten auch die Deutschen verstehen, dass ebenso die Muslime ihrer religiösen und historischen Beziehung mit Palästina und Jerusalem wegen ihre eigene Sensibilität gegenüber Israel hätten. Es sei eine schwierige Balance, die zu halten sei. Dass die Gemeinde im Gegensatz zu ihrem ehemaligen Imam zu dieser zurückgekehrt ist, wurde in der Stadt allgemein begrüßt. Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) bezeichnete die Erklärung als «ersten Schritt in die richtige Richtung», Athenagoras Ziliaskopoulos, Vorsitzender des Rates der Religionen, war zufrieden, dass sich die Gemeinde von Türkyilmaz’ distanziert habe. Beide wiesen aber ebenso wie die integrationspolitischen Sprecher von CDU und SPD darauf hin, dass die Diskussion noch lange nicht zu Ende sei. «Der Vertrauensverlust wird lange nachwirken», erklärte Eskandari-Grünberg. «Gute Aussagen, aber wir werden verstärkt nach den Taten schauen», kündigte Thomas Kirchner (CDU) an. «Die Zeit wird zeigen, wie ernst die Ankündigungen gemeint sind», mahnte auch Turgut Yüksel (SPD).

Auf Bewährung

Der FDP-Stadtverordnete Stefan von Wangenheim, der sich die Pressekonferenz ebenso wie Grünen-Fraktionschef Olaf Cunitz persönlich anschaute, fand seine Fragen nach Kaymakcis Erklärung nahezu alle beantwortet. Nur die fünf Monate, die zwischen Predigt und Rücktritt vergangen sind, die blieben ihm zu lang. «Da hat ein Korrektiv gefehlt», ergänzte Cunitz. ing

FAZ 23.2.10
Moscheeverein übt Kritik an Imam
Die Hazrat-Fatima-Gemein-de hat sich gestern von ihrem früheren Geistlichen distanziert und einen Fehler eingeräumt. Politiker würdigen die Erklärung und erwarten nun weitere Schritte.

Die überwiegende Mehrheit der Hazrat-Fatima-Moscheegemeinde hat nach Darstellung ihres Generalsekretärs Ünal Kaymakci Abstand von ihrem früheren Imam Sabahattin Türkyilmaz genommen. Mit seinen israelfeindlichen Äußerungen in einer Predigt aus dem Jahr 2009 habe der Geistliche eine Grenze überschritten, so dass er nicht mehr in der Gemeinde habe arbeiten können, sagte Kaymakci gestern. Kommunalpolitiker äußerten sich zufrieden mit der Stellungnahme, forderten aber weitere Schritte, um verlorengegangenes Vetrauen wiederaufzubauen.

Wie berichtet, trat der Imam am Sonntag zurück. Der Streit um ihn schwelte, seit vor zweieinhalb Wochen bekanntgeworden war, dass er in Berlin an einer Al-Quds-Demonstration teilgenommen hatte. Der Frankfurter Rat der Religionen hatte sich schon am 12. Februar von ihm distanziert, da diese regelmäßigen Solidaritätskundgebungen für die Palästinenser antisemitisch seien und das Existenzrecht Israels in Frage stellten. Wenig später wurde die Predigt des Imams zum Al-Quds-Tag 2009 bekannt, in der er unter anderem gesagt hatte, dass „Allah das besetzte Palästina aus den Händen der Zionisten befreien“ möge.

Kaymakci sagte gestern, das Existenzrecht Israels sei unbestritten, ebenso wie das Recht des palästinensischen Volkes auf einen eigenen Staat. Die Gemeinde grenze sich von jedem Vernichtungsauf-
ruf gegen Israel ab, nicht nur aufgrund der aktuellen Diskussion um den Imam.

Kaymakci räumte ein, dass die Gemeinde die Dimension jener Predigt aus dem Jahr 2009 nicht erkannt habe. Darüber sei in den vergangenen Tagen ausführlich gesprochen worden. Er selbst habe diese Predigt bis zum vergangenen Mittwoch nicht gekannt. Ebenso wenig habe er von der Teilnahme des Imams an Demonstrationen in Berlin gewusst. Türkyilmaz sei kein Antisemit, habe in seiner Predigt aber die Grenze zur Israelfeindlichkeit überschritten. Weil sie mit Aufrufen zur Vernichtung Israels in Verbindung stehen könnten, sind die Al-Quds-Demonstrationen nach Ansicht Kaymakcis kein geeignetes Mittel, um die aus Sicht von Muslimen berechtigte Kritik an der Politik Israels auszudrücken. Dafür seien andere, unbelastete Formen zu finden. Die Mehrheitsgesellschaft müsse diese Sensibilität der Muslime angemessen wahrnehmen, so wie diese die historische Verantwortung der deutschen Gesellschaft gegenüber Juden und dem Judentum „anerkennen und verinnerlichen“ müssten.

Auf die Frage, wie er zum Bruder des Imams stehe, der auf einer Demonstration „Tod Israel“ gerufen habe, sagte Kaymakci, wenn dies stimme, sei das streng zu verurteilen. Der Bruder des Imams ist Vorsitzender einer in Berlin ansässigen Jugendorganisation, deren Generalsekretär Kaymakci ist. „Ich werde ausführlich mit ihm sprechen“, sagte er. Weiter führte er aus, dass das Tragen des Kopftuchs zwar geboten sei, aber nicht erzwungen werden dürfe – genauso wenig, wie es abzunehmen. Das Tragen oder Nicht-Tragen eines Kopftuchs entscheide nicht, ob eine Frau zum Islam gehöre oder nicht. Integrationsdezernentin Nargess-Eskandari-Grünberg (Die Grünen) sagte, die Stellungnahme der Gemeinde zeuge von einer „kritischen Selbsteinschätzung“ und vom Bemühen, sich richtig zu positionieren. Die Gemeinde müsse ihren Worten konkrete, überzeugende Schritte folgen lassen. Ähnlich äußerte sich auch Uwe Paulsen, der integrationspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion. Fraktionschef Olaf Cunitz würdigte die Stellungnahme des Moscheevereins, kritisierte aber, dass in ihm offenbar ein „Korrektiv“ gegenüber dem Imam gefehlt habe. Auch Thomas Kirchner, der integrationspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, bemängelte, dass die Gemeinde die Predigt des Geistlichen offenbar nicht wahrgenommen habe. Das monierte auch Stefan von Wangenheim, der integrationspolitische Sprecher der FDP im Römer. Kirchner sagte, dass es in der Gemeinde einen sehr intensiven Diskussi-onsprozess gegeben und sie sich von dem Imam distanziert habe, sei „als ein erster Schritt in die richtige Richtung“ anzuerkennen. Eine gewisse Skepsis bleibe aber. Wangenheim und Cunitz sagten, Kaymakci könne nach dieser Stellungnahme ein Dialogpartner für die Politik bleiben. So urteilte auch Joachim Valentin, der Islambeauftragte des Bistums Limburg und Leiter des Hauses am Dom. Allerdings habe der Fall gezeigt, „dass man zweimal hingucken muss“. In einer ersten Reaktion zeigte sich Athenagoras Ziliaskopoulos, der Vorsitzende des Rates der Religionen, am Nachmittag erleichtert über die Äußerungen Kaymakcis. Dieser ist der stellvertretende Vorsitzende des Rates. Die Erwartungen – eine Distanzierung von dem Imam und den Al-Quds-Demonstrationen – seien erfüllt worden, so Ziliaskopoulos. Am Abend traf sich der Rat zu seiner turnusmäßigen Sitzung, auch, um über die Auseinandersetzungen der vergangenen Tage zu sprechen. toe.

FR 25.2.10
Geklärte und offene Fragen
Reaktionen nach dem Rücktritt des Imams
Von Canan Topçu

Am Tag nach der Stellungnahme atmet die demokratische Öffentlichkeit in Frankfurt auf. Auch wenn Ünal Kaymakçi von der Hazrat-Fatima-Moschee mit seiner Stellungnahme zu den Vorwürfen gegen den Imam nicht alle Fragen geklärt habe, sei die Positionierung der Gemeinde ein wichtiger Schritt, sind sich die Kommunalpolitiker einig. Frankfurt habe einen Konflikt erlebt, „der zunächst weder seine Ursache in unserer Stadt noch einen direkten Bezug zu ihr hatte“, sagt Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne). Imam Sabahaddin Türkyilmaz geriet in die Kritik, nachdem unter anderem seine Teilnahme an israelfeindlichen Demos in Berlin bekannt geworden war. Mit der klaren Abgrenzung zum Antisemitismus und dem Einräumen von Fehlern habe die Gemeinde eine Situation geschaffen, in der zwar nicht „alles bereinigt ist, von der aus wir aber weiterarbeiten können“, sagt die Stadträtin. Dieser Konflikt habe einen Klärungsprozess in Gang gesetzt. Davon ist auch der Rat der Religionen überzeugt, der am Dienstag mit Vorstandsmitglied Kaymakçi tagte. Das Gremium will sich an der anstehenden gesellschaftlichen Diskussion über Antisemitismus, Antizionismus und die Kritik israelischer Politik „aktiv beteiligen“. Zu den ungeklärten Fragen zählt SPD-Chef Klaus Oesterling „das Verhältnis der Gemeinde zum iranischen Regime“. Thomas Kirchner (CDU) fehlt eine Antwort auf die Frage, welches Verhältnis Kaymakçi zu der schiitischen Jugendorganisation hat, die nach HR-Recherchen die Al-Quds-Demos in Berlin mit organisiert haben soll. Der Konflikt um den Imam gehört nach Worten von Yildiz Köremezli-Erkiner (Linke) „zum Integrationsprozess dazu“.

FR 26.2.10
Imam gesucht
Moscheeverein will sensibel vorgehen
Von Canan Topçu

Den Worten müssen nun überzeugende Taten folgen“, betont Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) nach der Erklärung, die Ünal Kaymakçi im Namen der Hazrat-Fatima-Gemeinde nach dem Rücktritt des umstrittenen Imams öffentlich abgab. Die Gemeinde muss nun einen neuen Imam einstellen. „Das wird gar nicht so einfach sein“, erklärt Kaymakçi im Gespräch mit der FR. Denn schiitische Geistliche, die gut deutsch sprechen und sich mit den Gepflogenheiten des Landes Lande auskennen, gebe es kaum. Bei der Auswahl werde der Vorstand des Moscheevereins sehr sensibel vorgehen. „Denn aus diesem Konflikt haben auch wir gelernt“, sagt der Generalsekretär der Hazrat-Fatima-Gemeinde. Imam Sabahaddin Türkyilmaz war wegen seiner Teilnahme an israel-feindlichen Demos in die Kritik geraten und zurückgetreten. Zwei Wochen dauerte es, bis der Imam auf die Kritik reagierte, seine Ämter abgab und die Moscheegemeinde zu den Vorgängen Stellung bezog und Fehler eingestand. Der Konflikt habe deutlich gemacht, dass die „Grundlagen und Grenzen der Meinungsfreiheit nicht allen immer deutlich sind“, stellt Eskandari-Grünberg fest. Zugleich formuliert sie eine Erwartung an Seelsorger Frankfurts: „dass sie ihre Gemeindemitglieder in ihrem modernen Alltagsleben offen begleiten“. Das gesellschaftliches Miteinander verlange von jedem einzelnen und von Gemeinden und anderen organisierten Gruppen die Fähigkeit „zu einem differenzierten Urteil und zu einem Handeln, das sich einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung bewusst ist“.

FAZ 26.2.10
Angebot für Juden und Muslime

Gemeinsame Veranstaltungen der Jüdischen Gemeinde und von Moscheegemeinden hat Integrationsdezernen-tin Nargess Eskandari-Grünberg (Die Grünen) angekündigt. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um den früheren Imam der Hazrat-Fatima-Gemein-de hob sie hervor, dass antisemitische oder andere problematische Äußerungen in der Stadt nicht unwidersprochen blieben, sondern dass etwas gegen sie getan werde. Dazu trage auch der Rat der Religionen bei, hob sie hervor. Der Imam war zurückgetreten, nachdem eine umstrittene Predigt von ihm bekanntgeworden war, die er ins Internet gestellt hatte. Auf die Frage von Wolf gang Hübner (Freie Wähler), warum ein Bürger und nicht das Amt für multikulturelle Angelegenheiten auf diese Predigt aufmerksam geworden sei, sagte die Dezernentin, dass das Amt nicht andauernd im Internet recherchiere. „Aber der Magistrat hat schnell gehandelt und Grenzen gezogen. Das ist das Wichtigste.“