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Druck auf Imam (19.2.10)

Frankfurter Rundschau 19.2.10
Druck auf Imam

Imam Sebahaddin Türkyilmaz gerät immer mehr unter Druck. Jetzt wurde bekannt, dass er in einer Freitagspredigt antiisraelische Inhalte verbreitete. Die Frankfurter Hazrat- Fatima-Gemeinde soll sich von dem Geistlichen distanzieren, lautet die Forderung von Vertretern aus Politik, Kirchen und Moscheegemeinden. Seite F1

Neuer Vorwurf gegen Imam
Predigt mit „antisemitischen Dimensionen“
Von Canan Topçu

Der Druck auf die Hazrat-Fatima-Gemeinde, sich von ihrem Imam zu distanzieren und sich zu dessen Positionen klar zu äußern, wird immer größer. Dies umso mehr, weil jetzt auch eine Freitagspredigt von Sebahattin Türkyilmaz bekannt wurde, in der er sich auf den Al-Quds-Tag bezieht und ein Fürbittegebet dafür spricht, dass Allah „das besetzte Palästina aus den Händen der Zionisten befreien“ möge. Der schiitische Geistliche erklärt zudem in jener Ansprache, die er zum Ende des Fastenmonats Ramadan im vergangenen September gehalten hat, dass „Palästina heute nicht mehr unter Besatzung“ wäre, wenn die Muslime „der Einladung des verstorbenen Imam Khomeini gefolgt wären“. Auf diese Predigt reagierte Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg mit einem Brief an Ünal Kaymakçi, den Generalsekretär der Hazrat-Fatima-Gemeinde. Darin teilt die Stadträtin mit, dass die in der Predigt implizierten „politischen und antisemitischen Dimensionen, auch wenn sie ihm selbst nicht voll umfassend bewusst gewesen sein sollten, nur als inakzeptabel gelten können“. Mit diesen Aussagen des Imams sei „ein ganz neues Fass geöffnet“ worden, stellte am Donnerstagmittag Ünal Kaymakçi klar. Bisher habe er die Vorwürfe gegen den Geistlichen nicht für berechtigt gehalten, doch die Predigt habe eine neue Sachlage geschaffen. Dies habe den Vorstand der Moscheegemeinde dazu bewogen, für Donnerstagabend zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenzukommen und sich zum „Fall Türkyilmaz“ zu positionieren. Für den heutigen Freitagvormittag kündigte der Generalsekretär eine Erklärung des siebenköpfigen Vorstands an. Kaymakçi versicherte, die Predigt nicht gekannt zu haben, die der Imam in der Griesheimer Moschee in deutscher Sprache hielt und die im Internet nachzulesen ist. Nach seinen Angaben handelt es sich um eine von Türkyilmaz privat betriebene Internetseite (/freitagskanzel.wordpress.com). Der Imam habe den Moscheevorstand darüber informiert, dass er diese Seite betreibe und dies sei positiv aufgenommen worden, weil die Gemeinde transparent sein wolle. „Ich habe mir aber nicht jede Predigt durchgelesen“, sagt Kaymakçi. Imam Türkyilmaz, der in der Gemeinde der türkischstämmigen Schiiten ein sehr angesehener Geistlicher ist, sieht sich zu Unrecht in der Kritik. Er habe von seinem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch gemacht und sehe in seinen Äußerungen keinen Rechtsverstoß, ließ er wissen. Kaymakçi stellte klar, das es nicht darum gehen könne, was rechtlich erlaubt sei. Als „Hasskampagne“ bezeichnet der Ahl-ul-Bait-Ulema-Rat, eine geistliche Instanz der türkischen Schiiten in Europa, die Kritik an dem Imam. Es sei nicht hinnehmbar, dass die „Teilnahme an Demonstrationen und Kundgebungen – die durch behördliche Genehmigungen legitimiert wurden – gegen die Verbrechen in Palästina, Irak, Afghanistan, Libanon und in vergleichbaren Ländern“ als Grundlage für das Abstempeln des angesehenen Imams“ genommen werde. Anders wird der „Fall Türkyilmaz“ in Frankfurt eingeordnet. Von einem „Super-GAU“ sprach Joachim Valentin, Direktor der katholischen Bildungsstätte Haus am Dom. Der interreligiöse Dialog werde in Verruf gebracht. F4/F8

CHRONIK DER EREIGNISSE

Imam Sebahattin Türkyilmaz von der Hazrat-Fatima-Gemeinde ist seit Ausstrahlung des HR-Magazins „defacto“ in die Kritik geraten. Ihm wird vorgeworfen, mit der Politik der iranischen Regierung zu sympathisieren und das Existenzrecht Israels in Frage zu stellen. Der schiitische Geistliche nahm an den Al-Quds-Demonstrationen in Berlin teil, zu denen der iranische Revolutionsführer Khomeini 1979 aufgerufen hatte – mit der Forderung, den zionistischen Staat Israel auszulöschen. Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg wartet auf die Stellungnahme zu den Fragen, mit denen sie sich vor einer Woche an die Hazrat-Fatima-Gemeinde gewandt hatte. top

Leitartikel
Grenze überschritten

Nicht mehr als sieben Minuten. Aber sieben Minuten, die es in sich haben könnten, wenn sich all die in dem Magazinbeitrag formulierten Anschuldigungen gegen den Imam der Hazrat-Fatima-Gemeinde bewahrheiten sollten. Seit mehr als zehn Tagen beschäftigt viele in Frankfurt die Frage, was an den Vorwürfen wahr sein könnte. Ist der Imam ein Rassist, der sich mit der iranischen Politik gemein macht und das Existenzrecht Israels in Frage stellt? Hat die Hazrat-Fatima-Gemeinde wirklich Verbindungen zum iranischen Staat? Diese Fragen stehen noch immer im Raum, eine klare Stellungnahme dazu lässt auf sich warten. Nicht auszudenken, wenn dem so wäre, wenn also der sieben Minuten lange Beitrag des Hessischen Fernsehens Wahrheiten enthielte. Es wären Wahrheiten, die das letzte sind, was diese Stadt nach dem erbitterten Streit um das Moscheebauprojekt in Hausen braucht. In den vergangenen Tagen haben viele Frankfurter gehofft, dass es nur ein schlecht recherchierter Beitrag ist, mit dem Stimmung gemacht werden soll gegen eine Moscheegemeinde und damit auch gegen deren Generalsekretär Ünal Kaymakçi. Doch seitdem die Predigt bekannt wurde, in der Imam Türkyilmaz aus Anlass des Al-Quds-Tags dafür betet, dass „Allah das besetzte Palästina aus den Händen der Zionisten befreien“ möge, scheinen die Vorwürfe gegen den Geistlichen berechtigt zu sein. Das wiederum wäre ein gefundenes Fressen für all die Frankfurter, die in den Moscheegemeinden eine Gefahr und in jedem Moslem eine tickende Zeitbombe sehen. Es hat lange gedauert, bis in dieser Stadt ein Konsens darüber hergestellt werden konnte, dass auch muslimische Gemeinden ein Recht auf religiöses Leben und auf Gebetsstätten haben. Es ist eine berechtigte Sorge, dass es lange dauern wird, das mit dem „Fall Türkyilmaz“ entstandene Misstrauen der Menschen wieder aus dem Weg zu räumen. Der erste Schritt dazu wäre, wenn die Moscheegemeinde ihrem Imam den Laufpass gäbe – auch wenn sich nicht alle Vorwürfe gegen den schiitischen Geistlichen als haltbar erweisen. Der Ruf der Hazrat-Fatima-Gemeinde ist beschädigt, und da hilft nur klares Aufräumen! Dieser Fall hat aber noch etwas ganz anderes ans Tageslicht gebracht, nämlich dass das, was für Einheimische klar ist, für eingewanderte Muslime mitnichten der Fall ist: Dass es nämlich eine Grenze gibt, die in diesem Land auf keinem Fall überschritten werden darf, und diese bezieht sich auf das Existenzrecht Israels. Insofern sollten sich die Politiker und alle am gesellschaftlichen und religiösen Leben in dieser Stadt Beteiligten schnell an einen Tisch setzen und sich Gedanken darüber machen, wie für Aufklärung und Sensibilisierung gesorgt werden kann. Wir brauchen Programme gegen Rassismus und Antisemitismus.
Canan Topçu

Der Ruf der Hazrat-Fatima-Gemeinde ist beschädigt, da hilft nur klares Aufräumen! Vertrauen gewänne sie zurück, wenn sie sich von ihrem Imam lossagt.

IM WORTLAUT
Ausschnitt aus der Predigt von Sebahattin Türkyilmaz, gehalten am Freitag, 18. September 2009, in Frankfurt:

„Das dritte Thema, über das ich heute sprechen möchte, ist der von Imam Khomeini eingeführte Tag von Jerusalem, der Al-Quds- Tag, (…) ein Tag der Solidarität mit dem unterdrückten Volk Palästinas. (…)Der Al-Quds Tag ist der wichtigste Tag für die Einheit der Muslime. (…) Wenn die Muslime der Einladung des verstorbenen Imam Khomeini gefolgt wären, würde Palästina heute nicht mehr unter Besatzung und Unterdrückung leiden, Irak und Afghanistan würden ebenso nicht unter den schrecklichen Umständen der Besatzung leiden müssen. Nur weil die Muslime zu der Besatzung Palästinas geschwiegen haben, konnten die Imperialisten Afghanistan und Irak ebenso besetzen. (…) Wir wollen, dass überall auf der Erde Frieden herrscht und niemand unter Unterdrückung und Besatzung leben muss, egal ob Muslim oder andersgläubig. Jedoch sehen wir, dass es immer die Muslime sind, die unterdrückt werden. Der Quds-Tag ist im wahrsten Sinne ein Tag gegen die Unterdrückung, Besatzung und Ausbeutung. (…) Möge Allah das besetzte Palästina aus den Händen der Zionisten befreien.“

Debatte geht an Muslimen vorbei
Anschuldigungen gegen den Imam sind ihnen unbekannt oder unverständlich
Von Canan Topçu

Die Aufregung um den Imam Sebahattin Türkyilmaz stößt bei manch einem Frankfurter Muslim auf Unverständnis. „Es sind doch nicht mehr als ein paar Dutzend Muslime, die die Hazrat-Fatima-Moschee besuchen“, erklärt ein Frankfurter muslimischen Glaubens. Namentlich erwähnt werden möchte der Mann in der Zeitung aber nicht . Öffentlich äußern wollen sich auch all jene nicht, die sich in den vergangenen Jahren an der Seite von Ünal Kaymakçi für das Bauprojekt der Hazrat-Fatima-Gemeinde in Hausen stark gemacht haben. Der Generalsekretär der Moscheegemeinde wird von allen an dem interreligiösen Dialog beteiligten Frankfurtern geschätzt. Und gerade deswegen trifft es viele von ihnen persönlich, was dieser Tage in Frankfurt geschieht. Zweifel daran, dass Kaymakçi gewusst haben könnte, „wie der Imam wirklich tickt“, werden nicht geäußert. Viele fühlen sich ihm verbunden und haben in den vergangenen Tagen das Gespräch mit ihm gesucht; und sie haben versucht, sein Handeln zu verstehen und sich mit ihm über die Dimensionen des Vorgangs zu verständigen. Dass sich Kaymakçi „trotz der immer klarer werdenden Faktenlage“ über die Gesinnung des Imams nicht von diesem distanziert, verstehen sie nicht. Warum hält er zu dem Geistlichen? Warum bezieht er nicht Stellung? Fragen wie diese beschäftigen seine Partner im interreligiösen Dialog. Doch mit Namen möchte kaum einer von ihnen in der Zeitung zitiert werden. Klare Worte spricht am Donnerstagmittag Joachim Valentin, Direktor des Haus am Dom. Nachdem bekannt wurde, dass Imam Türkyilmaz auch in einer Predigt sich zum Thema Israel und Palästina geäußert hat, sieht er eine neue Sachlage, auf die Kaymakçi reagieren müsse.

Warten auf Stellungnahmen

„Der Imam ist nicht haltbar. Ich warte jetzt darauf, dass Kaymakçi dazu ganz klar Stellung bezieht; und darauf warten in dieser Stadt sehr viele andere auch“, erklärte Valentin. Die künftige Zusammenarbeit mit der Hazrat-Fatima-Gemeinde werde er davon abhängig machen, wie sich Kaymakçi verhält. Während am Donnerstag in Frankfurt darauf gewartet wurde, dass Kaymakçi und mit ihm der Vorstand der Hazrat-Fatima-Gemeinde öffentlich Stellung zu dem „Fall Türkyilmaz“ bezieht, zeigte sich der Ahl-ul-Bait Ulema-Rat in Europa, eine geistige Instanz für Schiiten aus der Türkei, in einer Presseerklärung „empört“ über die nach seiner Ansicht unbegründeten Beschuldigungen und verleumderischen Vorwürfe gegen Imam Türkyilmaz. Mit Stellungnahmen zu den Anschuldigungen über den schiitischen Imam halten sich in Frankfurt Muslime zurück – und das aus unterschiedlichen Gründen. So manche Moscheegänger haben von dem Vorfall gar nichts mitbekommen, weil sie keine deutschen Zeitungen lesen und weil das Thema in den muttersprachlichen Medien nicht auftaucht. Die türkischen Medien etwa haben über Türkyilmaz nicht berichtet. Vielen muslimischen Bürgern scheint aber auch die Dimension des Vorfalls nicht bewusst zu sein. Die Aufregung darüber, dass ein Imam sich gegen Israel positioniert, verstehen viele nicht. Und eben darin sieht die Landtagsabgeordnete Mürvet Öztürk (Grüne) das Problem. „Berechtigte Kritik an der Politik des Staates Israels ist immer in Ordnung, solange das Existenzrecht des Staates nicht in Frage gestellt wird. Sei es aus Unwissenheit oder absichtlich: In muslimischen Gemeinden kommt es vor, dass diese Grenze verschwimmt.“ Es werde nicht klar unterschieden zwischen der Kritik an der Siedlungspolitik und einem allgemeinen Antisemitismus. Da brauche es Aufklärungsarbeit.

Frankfurter Allgemeine 19.2.10
Stadt geht auf Distanz zu Imam

Der Imam Sabahattin Türkyilmaz steht wegen seiner Haltung zu Israel weiter in der Kritik. Heute will der Vorstand der Hazrat-Fatima-Gemeinde abermals Stellung nehmen. Das kündigte deren Generalsekretär Ünal Kaymakci an. Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Die Grünen) ist gegen eine weitere Teilnahme von Türkyilmaz an der von der Stadt organisierten Fortbildung für Ima-me. Behandelt werden dabei Themen wie „Politik und Gesellschaft in Deutschland“.

Wie berichtet, ist der Imam umstritten, seit ein Fernsehbericht unter anderem gezeigt hatte, dass er in Berlin an einer Al-Quds-Demonstration teilgenommen hatte. Diese Kundgebungen gehen auf Aja-tollah Chomeini zurück und sollen ein Ausdruck der Solidarität mit den Palästinensern sein. Der Frankfurter Rat der Religionen distanzierte sich schon von dem Imam, da diese Kundgebungen antisemitisch seien und das Existenzrecht Israels in Frage stellten. Der Imam bestritt, sich entsprechend geäußert zu haben.

Der Vorstand befasst sich nun mit Äußerungen des Imams zum Al-Quds-Tag, wie sie im Internet unter freitagskanzel.word-press.com nachzulesen sind. Näheres wollte Kaymakci vor der Vorstandssitzung nicht sagen, die gestern Abend stattgefunden hat. Auf der Seite sind Freitagsansprachen Türkyilmaz‘ nachzulesen. So sagte er im September 2009, nur weil die Muslime zu der Besatzung Palästinas geschwiegen hätten, „konnten die Imperialisten Afghanistan und Irak ebenso besetzen“. Und: „Möge Allah das besetzte Palästina aus den Händen der Zionisten befreien.“

Bezogen auf diese Predigt hat die Dezernentin Kaymakci und Türkyilmaz geschrieben, dass die dort implizierten „politischen und antisemitischen Dimensionen“, auch wenn sie dem Imam nicht voll umfassend bewusst gewesen sein sollten, „nur als inakzeptabel gelten können“. Auf der Internetseite wird ein klarer Bezug zur Moscheegemeinde hergestellt. Kaymakci hob hervor, dass es sich aber um eine private Seite des Imams handele. toe.

Frankfurter Rundschau 20.2.10
Imam unter Druck
Eskandari reicht Distanzierung nicht mehr
Von Pitt von Bebenburg und Canan Topçu

Nachdem die Hazrat-Fatima-Gemeinde ihrer Ankündigung nicht nachkam, sich am Freitag öffentlich zu den Vorwürfen gegen ihren Imam zu äußern, werden die Töne schärfer. Die Frankfurter Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) fordert indirekt die Absetzung des Imams. Die von ihr verlangte „vollumfängliche und unzweideutige Richtigstellung und Distanzierung“ von Türkyilmaz sei nicht erfolgt, erklärte die Stadträtin. Diese Schritte seien „jetzt unmissverständlich gefordert, und sie sind überfällig“. Eine Distanzierung von seinen Äußerungen reiche allein nicht mehr aus. Ein Imam sei „Vorbild und Wortführer einer Gemeinde“ und verpflichtet, „die Gesetze und Werte dieses Landes zu wahren und selbst zu verteidigen“, erklärte die Stadträtin. Die SPD-Fraktion im Römer fordert die Gemeinde auf, den Imam „abzuberufen“. „Der nun bekannt gewordene Text einer Freitagspredigt von Türkyilmaz ist völlig unakzeptabel“, urteilte der Fraktionsvorsitzende Klaus Oesterling. Der Sprachduktus des Imams und das Berufen auf die Vorstellungen von Ayatollah Khomeini sei ein klares Indiz für eine extremistische Grundhaltung. Indem er sich auf einen „menschenfeindlichen Extremisten wie Khomeini“ beziehe, der für den Tod und Folterungen unzähliger Menschen verantwortlich sei, habe Türkyilmaz deutlich gemacht, dass er zur Integration nicht bereit sei. Es stelle sich zudem „die Frage, warum der Predigttext in der Gemeinde unbeachtet blieb“, führt Oesterling aus. Zudem verlangt die SPD-Fraktion von der schiitischen Gemeinde, die derzeit am Fischsteinkreisel in Hausen eine Gebetsstätte mit Gemeindezentrum baut, ihr Verhältnis zu dem Islamischen Zentrum Hamburg zu klären. Der Vorsitzende des Rats der Religionen in Frankfurt, Pfarrer Athenagoras Ziliaskopoulos, erklärte, eine Bibelpassage zitierend, in Bezug auf die Hazrat-Fatima-Gemeinde, dass die Zeit der Umarmung vorbei sei. Der Moscheevorstand müsse sich im Klaren darüber sein, dass die Gemeinde sich gänzlich isoliere, wenn sie sich nicht von dem Imam trenne. Auch zwei Wochen nachdem die Antisemitismus-Vorwürfe durch einen Fernsehbericht bekannt wurden, steht eine inhaltliche Stellungnahme seiner Hazrat-Fatima-Moschee noch aus. Ünal Kaymakçi, Generalsekretär der Hazrat-Fatima-Gemeinde, hatte zuvor mitgeteilt, dass der Vorstand des Moscheevereins am Donnerstagabend zusammen- kommen und eine Entscheidung fällen werde. Am Freitag ließ er wissen, dass der Vorstand „seine eigenen Vorstellungen noch über das Wochenende mit der Gemeinde ausführlich erörtern“ müsse. Die Positionierung der Gemeinde zu dem Imam und die Fragen von Eskandari-Grünberg, wie sie sie vor einer Woche in einem Brief formuliert hatte, sollen nun am Dienstag bei einer Pressekonferenz beantwortet werden. Der hessische Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) fordert von der Moscheegemeinde, sich von antisemitischen Äußerungen zu distanzieren, die ihrem Imam Türkyilmaz vorgeworfen werden. „Ich erwarte eine eindeutige Abgrenzung von allen Äußerungen, die das Existenzrecht des Staates Israel in Frage stellen“, sagte Hahn am Freitag. Es könne „keine Zusammenarbeit“ mit Personen oder Vereinigungen geben, an deren Haltung Zweifel bestünden. Das gelte auch für die Vorbereitung der Einführung eines islamischen Religionsunterrichts durch das Land. Kaymakçi ist Teilnehmer am Runden Tisch der Landesregierung, an dem die Voraussetzungen zur Einführung des Religionsunterrichts für Muslime geklärt werden sollen. Hahn kündigte an, „sehr strenge Beurteilungsmaßstäbe für die weitere Zusammenarbeit mit Vertretern dieser Gemeinde am Runden Tisch anzulegen“. F 4/6

Mit Wort und Tat für den guten Ruf
Die Debatte um die Hazrat-Fatima-Gemeinde sät Misstrauen
Von Canan Topçu

Ich habe mir eine schnellere Entscheidung gewünscht. Ich gehe ausgesprochen unzufrieden ins Wochenende. “ Joachim Valentin, der Islambeauftragter des katholischen Bistums Limburg, bringt die Stimmung all derer zum Ausdruck, die am Freitag mit Anspannung auf eine Erklärung der Hazrat-Fatima-Gemeinde gewartet haben. Statt der erhofften klaren Positionierung, nämlich dass sich die Gemeinde von ihrem Imam trennt, gab es nur eine neue Terminankündigung. Vielen Dialogpartnern ist der Kragen geplatzt, doch kaum einer will Enttäuschung und Ärger öffentlich äußern. Deutliche Worte spricht am Freitagmittag der griechisch-orthodoxe Pfarrer Athenagoras Ziliaskopoulos, der zugleich Vorsitzender des Rats der Religionen ist: „Wenn sich die Gemeinde nicht vom Imam distanziert, gibt es ein Problem mit Kaymakçis Mitgliedschaft im Rat der Religionen.“ Ünal Kaymakçi, Generalsekretär der Gemeinde, ist stellvertretender Vorsitzender des vor einem Jahr gegründeten Rats. Er besteht aus 25 Mitgliedern, entsandt von neun Religionsgemeinschaften. Das Gremium hat sich zur Aufgabe gemacht, den interreligiösen Dialog und die Zusammenarbeit der Gemeinden mit der Kommune zu fördern. Ziliaskopoulus stellt klar, dass sich die Hazrat-Fatima-Gemeinde isoliere, wenn sie zu ihrem umstrittenen Imam halte. Türkyilmaz steht aufgrund seiner Teilnahme an Al-Quds-Demonstrationen und seiner Freitagspredigten unter dem Verdacht, sich unter anderem mit der iranischen Politik gegen Israel gemein zu machen. Kaum jemand in der Stadt werde mit einer Moscheegemeinde im Dialog bleiben wollen, die einen Geistlichen mit sehr zweifelhafter Gesinnung beschäftige. Das „zögerliche Verhalten“ der Hazrat-Fatima-Gemeinde stößt auch bei Hüseyin Kurt vom Ditib-Landesverband auf Unverständnis. Der Sprecher der Türkisch-Islamischen Union erklärt, dass ein Imam eine „Vorbildfunktion“ habe und die Gemeinde repräsentiere. „Daher muss der Geistliche mit Wort und Tat für den guten Ruf der Gemeinde sorgen“, stellt Kurt klar. „Ich möchte nicht in Kaymakçis Haut stecken; müsste ich eine Entscheidung treffen, dann wäre es die, dem Imam den Laufpass zu geben“, sagt Kurt. Und dies nicht zuletzt, um der Gefahr vorzubeugen, dass im Zuge der Debatte um einen umstrittenen Imam auch Misstrauen über die anderen Moscheegemeinden gesät werde. Diese Sorge hat Omar Kuntich von der Taqwa-Moschee nicht so. „Ich hoffe nämlich, dass nicht pauschalisiert und jetzt alle Imame unter Generalverdacht gestellt werden“, sagt der Jurist, der für den Zentralrat der Marokkaner am Runden Tisch des Hessischen Integrationsministeriums sitzt. „Der Fall Türkyilmaz ist ein Einzelfall, und wir erwarten, dass er auch als solcher behandelt wird“, betont Kuntich. Die Debatte um Imam Türkyilmaz veranlasst Yildiz Köremezli-Erkiner als integrationspolitische Sprecherin der Linken im Römer, eine Koordinierungsstelle gegen Antirassismus zu fordern. „In der muslimischen wie in anderen Bevölkerungsgruppen gibt es Antisemitismus. Alle müssen sich verstärkt mit dem Thema auseinandersetzen“, erklärt sie.

Frankfurter Allgemeine 20.2.10
Frankfurter Moscheeverein unter starkem Druck
Politiker und Rat der Religionen fordern Abberufung des umstrittenen Imams / Gemeinde will beraten

toe. FRANKFURT. Die Hazrat-Fatima-Moscheegemeinde in Frankfurt will am Dienstag zu den Vorwürfen gegen ihren Imam Sabahattin Türkyilmaz Stellung nehmen. Das hat Ünal Kaymakci, Generalsekretär der Gemeinde, gestern angekündigt. Unterdessen wächst der Druck auf die Gemeinde, deutliche Konsequenzen zu ziehen und sich von dem Geistlichen zu trennen. Das fordern Politiker und der Frankfurter Rat der Religionen. Zunächst war schon für gestern erwartet worden, dass der Vorstand sich zu dem umstrittenen Geistlichen öffentlich äußert. Der Vorstand hatte am Donnerstagabend getagt. Wie Kaymakci sagte, ist sich das Gremium über den weiteren Umgang mit dem Geistlichen tendenziell einig. Was das genau heißt, wollte er aber nicht ausführen. „Das wollen wir am Wochenende zuerst mit der Gemeinde besprechen.“ Wie berichtet, ist der Imam in die Kritik geraten, seit ein Fernsehbericht unter anderem gezeigt hatte, dass er in Berlin an einer Al-Quds-Demonstration teilgenommen hatte. Der Rat der Religionen distanzierte sich schon vor einer Woche von dem Imam, da diese regelmäßigen Solidaritätskundgebungen für die Palästinenser antisemitisch seien und das Existenzrecht Israels in Frage stellten. Der Imam bestritt, sich entsprechend geäußert zu haben. Dann wurde eine Predigt des Geistlichen zum Al-Quds-Tag im September 2009 bekannt, in der er sich auf Ajatollah Chomeini berufen und gesagt hatte, nur weil die Muslime zu der Besatzung Palästinas geschwiegen hätten, „konnten die Imperialisten Afghanistan und Irak ebenso besetzen“. Und: „Möge Allah das besetzte Palästina aus den Händen der Zionisten befreien.“ Mit Bezug auf diese Predigt hat die Frankfurter Integrationsdezernentin Nar-gess Eskandari-Grünberg (Die Grünen) Kaymakci und Türkyilmaz geschrieben und deutlich gemacht, dass die dort implizierten „politischen und antisemitischen Dimensionen“ inakzeptabel seien. Kaymakci sagte, er habe die Predigt nicht gekannt. Ihretwegen habe der Vorstand aber „sehr ernst und bestimmt“ mit dem Imam gesprochen. Eskandari-Grünberg sagte gestern, die von der Gemeinde zu ziehenden Konsequenzen seien „überfällig“. Damit forderte sie die Gemeinde indirekt dazu auf, sich von dem Geistlichen zu trennen. Ein Imam sei verpflichtet, die Gesetze und Werte Deutschlands zu wahren und zu ver teidigen. „Der Staat kann erwarten, dass Verantwortungsträger ihre Gemeinschaft in diesem Sinne führen und vertreten.“ Athenagoras Ziliaskopoulos, Vorsitzender des Rates der Religionen, forderte ebenso wie CDU, SPD und die Linke in Frankfurt, die Gemeinde solle den Imam abberufen. Thomas Kirchner, integrationspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, sagte, das Maß sei voll. An einer Kundgebung wie der Al-Quds-Demonstration in Berlin könne man „nicht einfach mitlaufen“, wie es bisher von der Gemeinde dargestellt worden sei. In dieser Hinsicht müsse sich auch Kaymakci deutlich äußern. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Oesterling sagte, wer sich wie Türkyilmaz auf einen menschenfeindlichen Extremisten wie Chomeini berufe, zeige, dass er zur Integration nicht bereit sei. Die Gemeinde solle auch ihr Verhältnis zum Islamischen Zentrum Hamburg klären, das laut Verfassungsschutz als Instrument der iranischen Staatsführung zu betrachten Pfarrer Ziliaskopoulos, Vorsitzender des Rates der Religionen, im Gespräch. Frankfurt, Seite 49 sei.

Yildiz Köremezli-Erkiner, integrationspolitische Sprecherin der Linken, sagte, Türkyilmaz dürfe nicht mehr als Imam tätig sein. Sie bekräftigte die Forderung ihrer Fraktion nach einer Koordinierungsstelle gegen Antirassismus in der Stadt. Der hessische Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) äußerte, er erwarte eine klare Ablehnung antisemitischer, rassistischer oder als solche zu verstehender Äußerungen und Aktionen. Auch dürfe es keinen Zwang zur Verschleierung von Frauen geben. Die Vorwürfe gegen Türkyilmaz und Kaymakci seien noch nicht ausgeräumt. Ein Urteil darüber, ob Kaymakci weiter am Runden Tisch zur Einführung eines islamischen Religionsunterrichts sitzen dürfe, wollte Hahn nicht abgeben. Für die weitere Zusammenarbeit mit Vertretern der Gemeinde gälten aber „sehr strenge Beurteilungsmaßstäbe“. Die Hazrat-Fatima- Gemeinde ist eine schiitische Gemeinde, zu der türkisch-und pakistanischstämmige Muslime gehören. Noch hat sie ihren Sitz im Frankfurter Stadtteil Griesheim, sie möchte aber nach Hausen umziehen. Dort ist der Bau einer größeren Moschee geplant, was teils erheblichen Protest hervorgerufen hatte.

Im Gespräch: Pfarrer Athenagoras Ziliaskopoulos
„Endlich Uni-Ausbildung für Imame ermöglichen“

Im Rat der Religionen sitzen 23 Vertreter von neun Religionsgemeinschaften. Der griechisch-orthodoxe Pfarrer Athenagoras Ziliaskopoulos ist der Vorsitzende des Rates und äußert sich zum Streit um Imam Türkyilmaz.

Die Hazrat-Fatima-Moscheegemeinde will am Dienstag mitteilen, wie sie mit ihrem Imam Sabahattin Türkyilmaz umgehen will. Welche Entscheidung ist aus Ihrer Sicht nötig?

Die Gemeinde sollte sich von dem Imam trennen. Wenn sie das nicht tut, haben wir ein großes Problem, denn sie wäre dann kein geeigneter Dialogpartner mehr für den Rat der Religionen.

Was ist die Lehre aus dem Fall für den Rat der Religionen?

Der Fall ist eine Bewährungsprobe. Die Zusammenarbeit von Religionen gelingt nur dann, wenn alle den gesellschaftlichen Geist in Deutschland sowie Gesetze und Regeln im Umgang miteinander achten. Antisemitismus darf dabei keinen Platz haben. Wenn die Auseinandersetzung über den Imam etwas Positives hat, dann dies, dass wir in der Stadt nun mehr voneinander wissen.

Sind Sie misstrauischer gegenüber Moscheegemeinden und Imamen im Allgemeinen geworden?

Eigentlich nicht. Ich glaube an den Dialog und will mich weiter für ihn einsetzen. Es ist in den vergangenen Wochen klarer geworden, dass es einen solchen Dialog ohne Konflikte und Auseinandersetzungen nicht gibt. Sie müssen ausgetragen werden. Der Rat der Religionen ist dafür der richtige Rahmen, und es ist gut, dass es ihn gibt. Unser Ziel ist ja, dass die Religionsgemeinschaften sich näherkommen in dieser Stadt.

Raten Sie der Politik zu mehr Vorsicht? Ich rate ihr, endlich die nötigen Voraussetzungen für eine theologische Imame-Ausbildung an Unversitäten in Deutschland zu schaffen. Das verhindert Extremismus und Fundamentalismus.

Sollte es einen Kriterienkatalog für die Anstellung von Imamen in Moscheegemeinden geben?
Ja.

Was sollte in diesem Katalog stehen?

Die Satzung unseres Rates wäre dafür ein gutes Vorbild. Dort sind zum Beispiel die Achtung des Grundgesetzes und seiner darin garantierten negativen wie positiven Religionsfreiheit, das Verbot jeder Form von unmittelbarer und mittelbarer Diskriminierung aufgrund der Religion, des Geschlechts, der Hautfarbe, der Kultur, der Herkunft und des sozialen Status und die Gewaltfreiheit im Umgang mit Konflikten festgeschrieben. Darauf sollten sich alle Moscheegemeinden, ja alle Religionen in Frankfurt verpflichten.

Das Gelände für die neue Moschee der Hazrat-Fatima-Gemeinde in Hausen liegt vis-ä-vis der russisch-orthodoxen Kirche. Bei der Feier zur Grundsteinlegung im Juni vergangenen Jahres hatten Sie gesagt, das Gegenüber von Kirche und Moschee sei ein „Bild für die Offenheit, Vielfalt und Toleranz“ in Frankfurt. War das zu blauäugig?

Nein. Ich stehe zu diesem Satz. Frankfurt kann trotz der gegenwärtigen Diskussion um Imam Türkyilmaz ein solches Bild vermitteln, ohne dass wir die Augen vor Konflikten verschließen wollen und dürfen.

Im Rat der Religionen hat der Fall für Missstimmung gesorgt: Der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde lässt seinen Sitz im Vorstand ruhen. Von der vor einer Woche geäußerten deutlichen Kritik des Rates an Türkyilmaz war Ihr Stellvertreter, Ünal Kaymakci, der auch Generalsekretär der Hazrat-Fatima-Gemeinde ist, überrascht worden. Wie groß ist der Schaden für den Rat?

Der Rat ist nicht beschädigt. Die Entscheidung von Rabbiner Klein hat einen anderen Grund: Er denkt, dass im Rat nur über religiöse, nicht aber über politische Themen geredet werden soll. Deswegen überlegt er, ob er als Person dem Vorstand angehören soll. Die Jüdische Gemeinde bleibt ja Mitglied bei uns. Die nächste Ratsversammlung findet in der Jüdischen Gemeinde statt. Gegen eine Religionsgemeinschaft selbst hat der Rabbiner nichts, wie er mir versicherte.

Immerhin hat er seine Entscheidung aus Anlass des Konflikts um den Imam kundgetan.

Das stimmt nicht. Für die Öffentlichkeit musste es aber so erscheinen, als stehe der Schritt des Rabbiners in Verbindung mit den Vorgängen um den Imam, beides ist aber klar voneinander zu trennen. Er hatte ja letztlich einen anderen Grund. Natürlich hat das unsere Entscheidung, uns in einer Mitteilung gegen Antisemitismus und für das Existenzrecht Israels auszusprechen, beschleunigt. Wir haben geahnt, dass beide Vorgänge miteinander in Verbindung gebracht werden könnten.

Kann man denn über Religionen an sich reden?

Sicher. Das wäre dann ein theologischer Disput. Dem Rat der Religionen ist aber vor allen Dingen daran gelegen, das gesellschaftliche Zusammenleben in dieser Stadt zu verbessern. Auch die gläubigen Menschen sind schließlich Bürger, „Polites“, wie es im Griechischen heißt. Auch sie haben etwas zum Gemeinwesen, der „Polis“, beizutragen.

Wir haben bisher vor allem über den Imam gesprochen. Genießt der Generalsekretär der Gemeinde, Ünal Kaymakci, Ihr volles Vertrauen?

Er ist bis jetzt ein sehr guter Dialogpartner gewesen, und ich hoffe, dass er das bleibt und weiter zu unserer Satzung steht.

Bisher hat er den Imam verteidigt.

Das ist richtig, aber ich möchte abwarten, wie er und die ganze Gemeinde sich am Dienstag äußern. Davon hängt ab, ob wir im Gespräch bleiben.

Sie sind befreundet, oder?

Im Rat sind wir alle gute Freunde geworden. Auch deswegen hat uns der ganze Streit auf die Probe gestellt.

Wäre es in Ihren Augen sinnvoll, wenn Herr Kaymakci sein Amt als stellvertretender Ratsvorsitzender ruhenließe?

Das hängt davon ab, wie er sich am Dienstag positioniert. Das wird übrigens auch bestimmen, in welchem Maß er weiter ein Gesprächspartner für Politik und Kirchen sein wird, auch in der Vorbereitung eines islamischen Religionsunterrichts, an der er derzeit mitwirkt.

Die Fragen stellte Stefan Toepfer.

Frankfurter Rundschau 22.2.10
Frankfurter Imam gibt auf Nach dem Vorwurf des Antisemitismus tritt Sabahaddin Türkyilmaz von seinen Ämtern in der Hazrat-Fatima- Gemeinde zurück. Der Geistliche sieht sich als Opfer einer Kampagne. Die Gemeinde äußert sich zunächst nicht.
Von Matthias Arning und Canan Topçu

Frankfurt. Der umstrittene Imam teilte am Sonntag in einer Erklärung mit, dass er „zum Schutz der Gemeinde, der gesegneten Moschee und aller beteiligten Familien, der Muslime und zum Schutz des – wenn auch nunmehr beschädigten – Dialogs mit sofortiger Wirkung“ alle Ämter aufgibt. Dazu habe er sich nach einer internen Sitzung der Moscheegemeinde entschlossen. Zugleich betonte der aus der Türkei stammende schiitische Geistliche, dass ihm die Gemeinde ihr „vollstes Vertrauen“ ausgesprochen habe. Türkyilmaz beklagte eine „hasserfüllte Schmutzkampagne“ gegen seine Person. Seinen Kritikern hielt er vor, „jegliche Kritik am Zionismus mit dem Todschlag argument des Antisemitismus verhindern zu wollen“. Ihm war unter anderem die Teilnahme an israelfeindlichen Al-Quds-Demonstrationen in Berlin vorgeworfen worden. Im FR-Gespräch begründete der Imam dies damit, dass er seine Solidarität mit dem palästinensischen Volk habe bekunden wollen. Nach Ansicht des integrationspolitischen Sprechers der Frankfurter CDU, Thomas Kirchner, vollzieht Türkyilmaz „einen notwendigen Schritt“, denn „alles andere ist in der Stadt nicht zu vermitteln“. Dieter Graumann, designierter Präsident des Zentralrats der Juden und Finanzchef der Frankfurter Jüdischen Gemeinde, begrüßte den Rücktritt als „kluge Entscheidung“. Das Beispiel Türkyilmaz sei aber ein „Einzelfall“. Es dürfe keinen Generalverdacht gegen Muslime geben. Der Moscheevorstand gab am Sonntag keine Stellungnahme ab. Er hatte am Freitag angekündigt, er werde sich am Dienstag in einer Pressekonferenz öffentlich zu Türkyilmaz positionieren. Die Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) sagte dazu: „Ich erwarte am Dienstag klare Worte, die wir in den letzten zwei Wochen vermisst haben. Der Gemeinde und ihren Vertretern muss ganz klar sein, dass Grauzonen und Zweideutigkeiten inakzeptabel sind.“ Die Dialogbeauftragte der evangelischen Stadtkirche, Ilona Klemens, stellte auf FR-Anfrage fest, sie könne Türkyilmaz‘ Behauptung, die Gemeinde habe ihm ihr Vertrauen ausgesprochen, bis zu deren öffentlicher Reaktion nicht glauben. Seiten F2/3

Ein Ende mit sofortiger Wirkung
Der Imam der Hazrat-Fatima-Gemeinde, Sabahaddin Türkyilmaz, erklärt seinen Rücktritt und vermutet eine Kampagne der Medien, die sich gegen ihn und den Islam richte
Von Canan Topçu

Dem Satz, auf den in Frankfurt viele gewartet haben, geht eine fünf Seiten lange Stellungnahme voraus. Sabahaddin Türkyilmaz teilt zum Ende seines langen Briefes an die Öffentlichkeit mit, dass er „zum Schutz“ der Gemeinde, aller beteiligten Familien, der Muslime in der Stadt und des – „wenn auch nunmehr beschädigten“ – Dialogs „mit sofortiger Wirkung“ von allen seinen Ämtern in der Hazrat-Fatima-Gemeinde zurücktritt. In seiner Stellungnahme macht Türkyilmaz deutlich, dass er die Kritik an seiner Teilnahme an den Al-Quds-Demonstrationen und an seinen Predigten nicht für berechtigt hält. Er habe von seinem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch gemacht. Alle seine Reden, Publikationen, Äußerungen im Öffentlichen wie auch im Privaten seien im „Rahmen des Grundgesetzes und der Einhaltung des deutschen Rechts“ erfolgt, lässt der 44-Jährige wissen. Der Geistliche spricht von einer „Kampagne gegen meine Person“; diese Kampagne reihe sich „nahtlos in den Rahmen des neuen Feindbildes Islam und Muslime in Deutschland und Europa“, trage „die Züge einer Meinungsunterdrückung“ und sei mit einem demokratischen System nicht vereinbar. Gegen den Vorwurf, antisemitisch zu sein, wehrt sich Türkyilmaz und formuliert seine Position in Frageform: „Ist es denn ein Verbrechen, wenn man sich in Deutschland auf die Seite der Menschen stellt, die seit sechs Jahrzehnten unter einer unmenschlichen Besatzung leben?“ Ilona Klemens, Beauftragte der evangelischen Stadtkirche für den interreligiösen Dialog, hat die Stellungnahme von Türkyilmaz ausführlich gelesen und kommt zu dem Ergebnis, dass sich der Geistliche „in erschreckend selbstgerechter Weise nach wie vor als Opfer“ stilisiere. Dass er die Öffentlichkeit in Bezug auf seine wiederholt behauptete Unkenntnis über die Hintergründe der Al-Quds-Demonstrationen angelogen habe, scheine für den Imam kein Problem zu sein. Im Gespräch mit der FR hatte Türkyilmaz nach Bekanntwerden seiner Teilnahme an den Al-Quds-Demonstrationen erklärt, nicht gewusst zu haben, in welchem konkreten Zusammenhang diese jährlich stattfindenden Kundgebungen stünden. Für ihn sei die Teilnahme ein Ausdruck der Kritik an der Besetzung palästinensischer Gebiete durch Israel. Die Behauptung von Türkyilmaz, die Gemeinde habe ihm „ihr vollstes Vertrauen ausgesprochen“, könne sie bis zu deren öffentlicher Reaktion nicht glauben, erklärt Klemens. „Würde dies stimmen, wäre das Problem mit dem Weggang des Imams keineswegs gelöst“, sagt die Pfarrerin. Für eine Stellungnahme zum Rücktritt des Imams war Ünal Kaymakçi, Generalsekretär der Hazrat-Fatima-Gemeinde, am Sonntag nicht erreichbar. Der Frankfurter Anwalt hatte in einem FR-Interview gesagt, nicht gewusst zu haben, was sich hinter den Al-Quds-Demonstrationen verberge. So sei ihm auch nichts von der Teilnahme des Imams an den Kundgebungen bekannt gewesen. Die Teilnahme des Imams an den israelfeindlichen Kundgebungen hatte das HR-Magazin „defacto“ in einem Beitrag öffentlich gemacht. Seitdem steht die Hazrat-Fatima-Gemeinde unter Druck und es wurde von ihr eine Stellungnahme erwartet. Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) hatte in einem Brief den Generalsekretär aufgefordert, sich konkret zu den Vorwürfen zu äußern. Die zunächst für vergangenen Mittwoch angekündigte Stellungnahme ließ auf sich warten. Kaymakçi verschob die öffentliche Erklärung auf Freitag. Und am Freitagmittag teilte er in einer Presseerklärung mit, dass sich der Gemeindevorstand am Wochenende beraten und seine Positionierung zu Türkyilmaz in einer Pressekonferenz am Dienstag öffentlich machen werde. Die für Freitag erwarte Distanzierung von Türkyilmaz blieb aus und löste bei Landes- und Kommunalpolitikern und all denen, die am interreligiösen Dialog in Frankfurt beteiligt sind, Verstimmung aus. Athanagoras Ziliaskopoulus als Vorsitzender des Rats der Religionen sprach deutliche Worte und erklärte, dass sich die Hazrat-Fatima-Gemeinde gänzlich isoliere, wenn sie weiterhin zu dem Imam stehe. Am Sonntagabend stellte das Hessenfernsehen im Magazin „defacto“ in Frage, dass Kaymakçi nicht gewusst habe, welche Gesinnung Türkyilmaz tatsächlich habe. Kaymakçi hatte nach der Ausstrahlung des Fernsehbeitrags zunächst kritisiert, dass der HR eine Kampagne gegen ihn gestartet habe, um die Bemühungen um den islamischen Religionsunterricht in Hessen zu sabotieren. Der Generalsekretär der Hazrat-Fatima-Gemeinde ist Teilnehmer am Runden Tisch, den der hessische Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) ins Leben gerufen hat. Als einige Tage nach dem Fernsehbericht auch noch Predigten des Imams bekannt wurden, in denen er sich auf den iranischen Revolutionsführer Khomeini bezieht, hatte Kaymakçi davon gesprochen, dass sich nun auch für ihn eine neue Sachlage ergebe. Eine persönliche Distanzierung vom Imam folgte nicht.

Am Tageslicht
Mit einer gewissen Erleichterung nimmt die Frankfurter Stadtgesellschaft den Rücktritt des Imam Türkyilmaz zur Kenntnis
Von Matthias Arning

Frankfurter Demokraten kannten in den vergangenen Tagen allein eine Maxime: Das müsse jetzt alles auf den Tisch, da dürfe nichts verharmlost werden. An seine anfänglichen Irritationen erinnert sich der Stadtverordnete Thomas Kirchner am Sonntag im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau nur zu gut, hatten doch einige nach dem Beitrag des Hessischen Rundfunks noch ungläubig von „mieser Berichterstattung“ gesprochen. Ganz so, als könnten sie nicht fassen, was über den muslimischen Geistlichen Türkyilmaz ans Tageslicht befördert wurde. Für Kirchner selbst schien die Sache alsbald deutlich: Wer öffentlich als Antisemit auftrete, könne sich in dieser Stadt nicht an einer Grundsteinlegung beteiligen. Am Sonntag bleibt der integrationspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Stadtparlament bei seiner Einstellung: „Wir können es nicht dulden, dass es in dieser Stadt Auftritte von Antisemiten gibt.“ Schließlich könne man über das Wirken des Geistlichen wohl kaum behaupten, er habe in Frankfurt zur Völkerverständigung beigetragen. Deswegen erwarte er auch vom Generalsekretär der Hazrat-Fatima-Gemeinde, Ünal Kaymakçi, „eine ausdrückliche Positionierung zu Al-Quds-Demonstrationen“, den anti-israelischen Kundgebungen, an denen sich der Imam beteiligt hatte.

Grundsätzlich, darauf besteht Ilona Klemens am Sonntag, mache der Konflikt deutlich, dass „wir dringend eine offene Debatte zu dem komplexen Themenfeld Antisemitismus, Antizionismus und der Kritik an israelischer Politik brauchen“. Zunächst aber halte sie trotz mancher nach wie vor offenen Frage fest, setzt die Pfarrerin für Interreligiösen Dialog in der Evangelischen Kirche hinzu, bleibe Erleichterung darüber, dass der Imam „den einzig richtigen Schritt getan hat“. Das sieht Joachim Valentin nicht anders. Die Entscheidung des Imams stehe am vorläufigen Ende einer „positiven Entwicklung“, die sich ohne den Rat der Religionen nicht hätte denken lassen, betont der Islambeauftragte des Bistums Limburg. Der Rückzug von Türkyilmaz lasse sich als Beleg dafür verstehen, „wozu Dialog führen kann“. Zwar sehe sich der Rat der Religionen mitunter auch Anti-Kampagnen ausgesetzt, rügt Valentin, der auch der Direktor der Diskursstätte Haus am Dom ist. Die Strukturen des Gremiums aber stimmten, so dass man den Eindruck habe: „Dort kann man zielgenau und professionell handeln.“ Der Rat der Religionen, in dem sämtliche in Frankfurt vertretenen Gemeinschaften repräsentiert sind, hatte sich in der vergangenen Woche in den Konflikt um den umstrittenen Prediger eingeschaltet und Gemeinde-Generalsekretär Kaymakçi zur Klarstellung gedrängt. Herausgekommen sei bis zum Wochenende „eine kluge Entscheidung“, findet Dieter Graumann, der zuvor den muslimischen Gemeinden in Deutschland grundsätzlich zu mehr Transparenz und Öffnung geraten hatte. Sie müssten sich gegen offenen Antisemitismus stellen, um einen Dialog zwischen den Religionen zu ermöglichen. Gleichzeitig dürfe es „keinen Generalverdacht gegen Muslime“ geben, sagte Graumann, der in Frankfurt die Finanzen der Jüdischen Gemeinde regelt und als aussichtsreicher Kandidat für die Wahl des Präsidenten des Zentralrats der Juden gilt. Das Beispiel Türkyilmaz sei „ein Einzelfall, den man nicht verallgemeinern kann“, setzte Graumann hinzu. Frankfurt habe jetzt eine Diskussion geführt, „die woanders noch bevorsteht“. Und die auch am Main längst nicht an ihr Ende gekommen ist. Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg stellt klar, dass von der Gemeinde und ihren Vertetern „weiterhin nichts weniger gefragt ist als eine eindeutige und glaubhafte Distanzierung “ von Türkyilmaz.

KOMMENTAR
Offene Fragen
Von Matthias Arning

Da darf jetzt nichts schief gehen. Wie oft haben Kommunalpolitiker und Mitglieder der Religionsgemeinschaften diesen Satz in den vergangenen Tagen gesagt. Da darf jetzt nichts schief gehen, weil jede Lücke in dem Bemühen um Aufklärung im Fall Türkyilmaz sofort dazu führen würde, Ressentiments zu schüren, Misstrauen zu wecken. Also sollte es gar nicht anders sein können, als dass da jetzt nichts schief gehen darf. Aber – ist alles glattgegangen, mit dem Rücktritt des Imams ein weiteres Kapitel des interreligiösen Dialogs in dieser Stadt mit Anstand zu Ende gegangen? Von einem Ende kann gar keine Rede sein. Denn mindestens drei Dinge gilt es jetzt zu klären: Wie steht die Gemeinde wirklich zu dem Fall, von dem der Imam behauptet, er sei sich ihres Rückhalts sicher? Und wie stellt sich der Imam eigentlich ein angemessenes Verständnis dessen vor, was Meinungsfreiheit als grundgesetzlich verbrieftes Recht sein soll? Und was muss die Schlussfolgerung für diejenigen Demokraten sein, die in den vergangenen Tagen bange verlangten, dass in der Angelegenheit nichts unter den Tisch gekehrt werden dürfe, größte Transparenz zwingend geboten sei? Erstens: Die am Sonntag verbreitete Erklärung des Imams bedarf der Konkretisierung. Die Stadtgesellschaft hat einen Anspruch darauf, ob es eine kritische Solidarität mit dem Geistlichen in der Gemeinde gibt oder ob die Gläubigen die Dimension des laufenden Dialogs und seiner Voraussetzungen ermessen. Zweitens: Selbst wenn es vorgekommen sein soll, das deutschstämmige Schüler türkischstämmigen Schülern wegen der moralischen Dimension des Völkermords an den Juden die Liquidation der Armenier vorgehalten haben sollen, kennt das Grundgesetz doch einen historischen Bezugsrahmen, um zu bestimmen, was eigentlich Meinungsfreiheit ist. So wie die Leugnung des Holocaust nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt ist, so gibt es auch für Meinungsäußerungen Gebote, die sich in dieser Republik aus historischen wie moralischen Dimensionen ergeben: Man kann zu Israel ein kritisches Verhältnis haben, bei Demonstrationen auf deutschen Straßen Israel den Tod zu wünschen, bleibt reichlich geschmacklos. Das zu wissen, gehört zu den Leistungen, die man von zur Integration willigen Menschen erwarten kann. Und darüber, drittens, dürfte dann auch in der Stadtgesellschaft noch mal zu reden sein. Wenn man denn das Wirken des Rats der Religionen gebührend gewürdigt hat.

Frankfurter Neue Presse
Imam Türkyilmaz zurückgetreten
Nicht aus Einsicht, sondern wegen des Drucks auf seine Gemeinde legt der Geistliche alle Ämter nieder

Die Nachricht kam übers Internet: Imam Sabahattin Türkyilmaz hat alle seine Ämter in der Hazrat Fatima Moschee niedergelegt.

Frankfurt. Wer eine Entschuldigung erwartet hat, der irrt. Imam Sabahattin Türkyilmaz tritt zurück, um seine Gemeinde zu entlasten, nicht, weil er überzeugt wäre, einen Fehler gemacht zu haben. «Zum Schutz der Gemeinde, der gesegneten Moschee, zum Schutz aller beteiligten Familien, der Muslime in der Stadt und zum Schutz des – wenn auch nunmehr beschädigten – Dialogs trete ich mit sofortiger Wirkung von allen meinen Posten im Zusammenhang mit der Fatima Zehra Moschee zurück», heißt es in der Erklärung, die der 44-Jährige gestern via Internet herausgegeben hat.

Keine Distanzierung

Türkyilmaz hält sich für das Opfer einer «hasserfüllten Schmutzkampagne» gegen sich und seine Frankfurter Gemeinde. Zu Unrecht, so seine Darstellung, werfe man ihm wegen einiger Ansprachen und seines Auftretens auf verschiedenen Demonstrationen, während derer antiisraelische Parolen skandiert wurden, Antisemitismus vor. «Ich distanziere mich von jedem Antisemiten und jeder Form des Antisemitismus.» Dieses Bekenntnis, darauf weist der Imam deutlich hin, heißt aber nicht, dass er das Existenzrecht Israels anerkennt. Im Gegenteil: «Gleichzeitig distanziere ich mich vom Zionismus, den ich für eine weitere Form des Rassismus erachte!» Und an anderer Stelle erklärt er: «Aber die Gleichsetzung von Antizionismus und Antisemitismus ist eine Form der Meinungsunterdrückung.»

Das zumindest ist die Meinung des in der Türkei geborenen Imams, dessen Eltern 1972 nach Deutschland kamen, der aber selbst in der Türkei zur Schule ging und in den 1980er Jahren an der Theologischen Hochschule im iranischen Qum studierte. Diese frei äußern zu dürfen, erlaube ihm das Grundgesetz, erinnert Türkyilmaz und beruft sich auf Artikel 3 des Grundgesetzes. Wer seine Zeilen liest, erkennt schnell: Zu Ende ist die Diskussion um den Imam, der aus der Berliner Imam-Reza-Gemeinde nach Frankfurt gewechselt war, und die Haltung der Hazrat-Fatima-Gemeinde noch lange nicht. Das betont auch Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne), die von dem Rücktritt auch nur über die Interneterklärung erfahren hatte. Sie begrüßt die Entscheidung: «Die Trennung von Imam und Gemeinde war alternativlos und überfällig.» Derselben Meinung ist Thomas Kirchner, integrationspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion: «Wir halten das für einen richtigen und konsequenten Schritt, denn die Moscheegemeinde war nicht in der Lage, die gegen ihren Imam erhobenen Vorwürfe zu entkräften.» Aber es werden weitere Antworten erwartet: «Von der Gemeinde und ihren Vertretern ist nichts weniger gefragt als eine eindeutige und überzeugende Distanzierung. Ich erwarte am Dienstag klare Worte, die wir in den letzten zwei Wochen vermisst haben», so die Stadträtin. Auch Grauzonen und Zweideutigkeiten seien inakzeptabel.

Volles Vertrauen

Die Gemeinde hatte vergangene Woche angekündigt, sich am Dienstag zu den Vorwürfen gegen ihren Imam äußern zu wollen. Steht dieser Termin noch, könnte er interessant werden. Denn Türkyilmaz schreibt, dass ihm die Gemeinde, der türkisch- und pakistanischstämmige Schiiten angehören, am Wochenende «ihr vollstes Vertrauen ausgesprochen» habe. Das wäre auch für Kirchner inakzeptabel: «Freundschaft und Aussöhnung mit Israel sind politische Grundsteine der Bundesrepublik Deutschland. Die Hazrat-Fatima-Gemeinde und Herr Kaymakci müssen ihr Verhältnis zum Existenzrecht Israels erklären, sonst bleibt ein sehr dunkler Schatten auf dem Hausener Moscheebauprojekt», erklärte der CDU-Politiker. Der gestrige Beitrag des HR-Magazins «Defacto» hat den Druck auf Ünal Kaymakci, Generalsekretär der Hazrat Fatima Gemeinde, nochmals erhöht. Nicht nur, dass von ihm nach wie vor eine Stellungnahme bezüglich der Haltung des Imams verlangt wird. Auch er persönlich gerät stärker in die Kritik: Kaymakci sei seit Jahren enger Mitarbeiter von Türkyilmaz in verschiedenen Organisationen, er müsse nun erklären, ob er dessen Positionen kannte – und ob er sie teilt. ing